RATIONALIST INTERNATIONAL

Bulletin Nr. 107 (25 April 2003)

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IN DIESER AUSGABE

"Genetik beleidigt die Götter nicht"

Zur Feier der Entdeckung der Doppelhelix

 

"Genetik beleidigt die Götter nicht"

Zur Feier der Entdeckung der Doppelhelix

25. April 2003. Heute ist der fünfzigste Jahrestag einer der größten wissenschaftlichen Errungenschaften des Zwanzigsten Jahrhunderts: der Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNS durch James D.Watson and Francis Crick.

In seiner Ausgabe vom 25. April 1953 veröffentlichte das britische Wissenschaftsmagazin Nature die Forschungsergebnisse der beiden jungen Wissenschaftler aus Amerika und England, die damals im Cavendish-Laboratorium der Cambridge-Universität arbeiteten. Mit der Entdeckung der besonderen Struktur der Moleküle der Deoxyribonukleinsäure (DNS) hatten sie den Schlüssel zu deren Fähigkeit gefunden, biologische Information von enormer Komplexität zu speichern und weiterzugeben: den genetischen Code. Die Entdeckung der Doppelhelix schlug das Buch des Lebens auf und eröffnete eine neue und aufregende Epoche biologischer Forschung, die sich seiner Entschlüsselung widmete.

Ein halbes Jahrhundert später haben wir neue Horizonte erreicht. Pünktlich zu den Jubiläumsfeierlichkeiten konnte die Decodierung der gesamten drei Milliarden chemischer "Buchstaben" des menschlichen Gencodes mit einer Präzision von 99,999 Prozent vollendet werden. (99,99 Prozent werden von allen heute auf der Erde lebenden Menschen geteilt, der Rest beschreibt Abweichungen, mit denen sich einzelne Individuen unterscheiden lassen.) Zwei große, hochkarätige Forschungsteams - das eine ein mit öffentlichen Mitteln betriebenes internationales Konsortium von Wissenschaftlern mit Laboratorien in England, USA, Frankreich, Deutschland, Japan und China, das andere eine private Firma in den USA - haben viele Jahre lang parallel an der Landkarte des menschlichen Genoms gearbeitet. Im Februar 2001 veröffentlichten sie ihre beiden Versionen eines ersten Entwurfes - und revolutionierten das wissenschaftliche Verständnis und die mögliche medizinische Behandlung der grossen Krankheiten. Inzwischen sind beispielsweise mehr als hundert genetische Abweichungen identifiziert worden, die mit der Bildung von Krebstumoren einhergehen können, und die Forschung steht kurz vor der Entwicklung einer natürlichen Impfung gegen Krebs. Ausgerüstet mit der Information unserer Gene werden Wissenschaftler in naher Zukunft fähig sein, unser Leben radikal und in mannigfacher Hinsicht zu verbessern. Aber noch bleiben weitere Geheimnisse zu entschlüsseln. Eines Tages könnten wir in der Lage sein, die Spuren vergangener Welten in unserer DNS zu lesen, die unsere Vorfahren durchlebten und überlebten, und auf diesem Wege den Geheimnissen der Evolution und der großen Wanderungen der prähistorischen Menschen auf die Spur kommen.

In London wird in diesen Tagen die bahnbrechende Entdeckung gefeiert, die 1962 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt wurde, den Watson, Crick und Maurice Wilkins vom King's College in London miteinder teilten.

"Ich denke nicht, daß Genetik die Götter beleidigt, denn ich glaube nicht, daß es da oben irgendwelche Götter gibt", sagte der 75-jährige James Watson, jetzt Präsident des Cold-Spring-Harbor-Laboratoriums in New York, in seiner Festbotschaft. Er übte srenge Kritik an der Haltung US-Präsident Bushs gegenüber der Genforschung und bemerkte: "Ich hatte Glück, denn ich habe eine bessere Erziehung (als Bush) genossen. Ich hatte einen Vater, der mir nicht Religion einflößte."


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