RATIONALIST INTERNATIONAL

Bulletin Nr. 110 (10. Juni 2003)

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IN DIESER AUSGABE

Pakistan: Rationalist International verurteilt die Einsetzung von Shariat-Recht in der NWFP

Jan Loeb Eisler wird Ehrenmitglied von Rationalist International

Thailand: Buddhas Zahn auf Achse

Australien: Jesus und die Büffelköppe

 

Pakistan: Rationalist International verurteilt die Einsetzung von Shariat-Recht in der NWFP

Rationalist International hat in einem Brief an Präsident Musharraf die Einsetzung von Shariat-Recht in der Nord-West-Frontier-Provinz (NWFP) strengstens verurteilt und die Pakistanische Regierung dringend aufgefordert, alle nur möglichen Schritte zu unternehmen, der Talibanisierung der Provinz Einhalt zu gebieten.

Am 2. Juni 2002 verabschiedete das Provinz-Parlament in Peshawar das Shariat-Gesetz und machte die NWFP zur ersten Provinz Pakistans unter Islamischem Recht. Nach einer offenen Abstimmung begrüßten die Abgeordneten die Entscheidung mit Triumphrufen wie `Allah ist groß! Allah ist mächtig!' Die schwache Opposition war zu verängstigt, sich dem religiösen Vormarsch entgegenzustellen.

Die NWFP an der Grenze zu Afghanistan ist eine traditionelle Brutstätte des Islamischen Fundamentalismus. Seit den Wahlen Ende Oktober 2002 von der radikalen Sechs-Parteien-Koalition Mutahida Majlis-e-Amal (MMA) regiert, marschiert sie in rasendem Tempo in Richtung Talibanisierung. Die Einsetzung von Shariat-Recht bedeutet das Ende bürgerlicher Rechte und Freiheiten. Sie bedeutet die Schaffung eines parallelen Rechtssystems auf der Grundlage von Religion und bringt dramatische Veränderungen im Erziehungs- und im Finanzsystem mit sich, die beide durch spezielle Ausschüsse in Einklang mit dem Koran gebracht werden. Die nationale Regierung in Islamabad zögert ganz offensichtlich, gegen die alarmierenden Vorgänge in der NWFP in Aktion zu treten. So schritt die unter Kommando der zentralen Regierung stehende Polizei nicht ein, als fundamentalistische Rotten zur Feier der Vorlage des Shariat-Gesetzes randalierend durch die Straßen zogen, Kabelfernsehverbindungen zerstörten und Werbeplakate niederrissen, auf denen Frauen abgebildet waren.

Nur wenige Tage nach Verabschiedung des Shariat-Gesetzes kam das Hisba-Gesetz, das die Grundlage zur Schaffung eines Hisba-(Rechenschafts-)Ministeriums schafft - einer Kopie des gefürchteten Talibanministeriums "zur Verhütung von Laster und zur Förderung von Tugend". Mit dem Aufbau paralleler Rechts-, Regierungs- und Polizeistrukturen gerät die NWFP unter totale Kontrolle der Fundamentalisten.

In ihrer sechs-monatigen Regierungszeit hat die MMA bereits Alkohol verboten, Musik von öffentlichen Plätzen und Bussen verbannt, die Schuluniformen für Jungen von "westlichen" Hemden und Hosen zur traditionellen Kurta verändert und Mädchen gezwungen, die traditionelle Kopfbedeckung zu tragen. Männliche Ärzte dürfen in Krankenhäusern keine weiblichen Patienten mehr behandeln. Seit 1. Juni müssen alle Büros, Schulen und Geschäfte während der Gebetszeiten geschlossen werden, damit alle Männer in die Moschee gehen können. Staatsbedienstete sind verpflichtet, fünfmal am Tag zu beten.

Auf der Welle weitverbreiteter anti-amerikanischer Gefühle zum Sieg reitend, hat die MMA in den Oktoberwahlen nicht nur die Regierung in der NWFP erobert. Sie konnte auch fast ein Viertel der Sitze im nationalen Parliament besetzen. Sie wirbt für ein Taliban-Pakistan und fordert, daß Shariat-Recht im ganzen Lande eingesetzt wird.

Geheimdienste haben inzwischen bestätigt, daß die meisten der alten Taliban-Führer am Leben sind und sich in Pakistan versteckt halten.

 

Jan Loeb Eisler wird Ehrenmitglied von Rationalist International

Jan Loeb Eisler bei der Eröffnung der dritten Internationalen Rationalisten-Konferenz
Jan Loeb Eisler bei der Eröffnung der dritten Internationalen Rationalisten-Konferenz

Jan Loeb Eisler aus Florida, ein Veteran der Rationalisten and Säkularen Humanisten, wurde in die Liste der Ehrenmitglieder von Rationalist International aufgenommen. Eisler ist Regent and Direktionsmitglied des Center for Inquiry International sowie Direktionsmitglied des Council for Secular Humanism. Sie ist eine ehemalige Vizepräsidentin der International Humanist and Ethical Union in London, der sie auch als NGO-Vertretung in den Vereinten Nationen in New York diente.

Ideenreichtum und unerschöpfliche Energie haben Eisler im Laufe der Jahre mannigfaltige Funktionen und Verpflichtungen übernehmen lassen: Sie war Vizepräsidentin der Bertrand Russel Society, Direktionsmitglied der American Humanists und der Atheists of Florida, Gründungspräsidentin der Humanist Association St. Petersburg und vieles mehr. Sie ist Herausgeberin von Family Matters (ein Periodikum des Secular Family Network) und hat als aktives Mitglied in Beratergremien verschiedener amerikanischer Publikationen gewirkt, darunter Common Sense und Scientific Review for Alternative Medicine. Sie war geladener Gast in internationalen Konferenzen in Rußland, Indien, Australien, Kanada, Deutschland und den Niederlanden. Im Februar 2002 eröffnete sie die Dritte Internationale Rationalistenkonferenz in Neu Delhi (Foto).

 

Thailand: Buddhas Zahn auf Achser

Im Dezember 2002 wurde ein ganz besonderer Gast aus China zu den Feierlichkeiten anläßlich des 75sten Geburtstages von König Bhumibol Abdulyadej nach Thailand eingeladen. Er wurde von Hunderten von buddhistischen religiösen Würdenträgern sowie Staatsrepräsentanten von China und Thailand an einem Pekinger Flughafen verabschiedet. In Begleitung einer hochrangigen Delegation reiste er in einem exklusiven Airbus 310-300 der Thai Air Force nach Bangkok. Und dort weilt er nun, pflegt in einem heiligen Schrein der Ruhe und läßt offizielle Ehrungen und die Anbetung des Volkes über sich ergehen, bis die Zeit kommt, nach China zurückzufliegen: der heilige Zahn des Sakyamuni.

Sakyamuni ist der Gründer des Buddhismus. Nach traditionellem Glauben ging er vor etwa 2500 Jahren ins Nirvana ein und wurde Buddha. Sein Zahn ist eines der kostbarsten Relikte des Buddhismus. Ein von Thailand und China unterzeichnetes Abkommen regelt Bedingungen und Modalitäten der Reise und der vorübergehenden Einschreinung des heiligen Zahnes. Das Ereignis wird als bedeutender Akt im Rahmen der freundlichen Zusammenarbeit der beiden Nachbarstaaten gewertet.

 

Australien: Jesus und die Büffelköppe

Wahrscheinlich hat Jesus nie gelebt. Aber stellen Sie sich einfach mal vor, er wurde wirklich geboren - und das auch noch als Australier! Kel Richards, Autor und Rundfunker aus Sydney, hat jetzt die "Aussie Bibel" vorgelegt [Originaltitel: Aussie Bible (Well, bits of it anyway)]. In regionalen Idomen und robusten Slangausdrücken des Australischen Englisch schwelgend, erzählt das Buch ganz lässig die beliebtesten Episoden des Neuen Testamentes nach. Wir sehen, wie der gute Samariter von einem Haufen von Strauchdieben angegriffen wird (“a bunch of bush rangers”), wie die drei Eierköpfe aus dem Osten den heiligen Stall betreten ("Three eggheads from out east") , um "n' Tag auch, Majestät!" zu sagen (G'day, your Majesty!"), und wie Jesus, wenn er zu solchen spricht, die Häuser auf Sand bauen, sie herzhaft mit "Ihr Büffelköppe!" anredet (“You Boofheads!”).

Aber das ist keineswegs alles bloß Spaß und Phantasie. Die Bibelgesellschaft von New South Wales hegt große Hoffnungen, daß dieser australische Ohrschmeichler eine neue Generation für's Bibellesen erwärmen und ihnen jede Menge frommer neuer Mitglieder bescheren wird.


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