Ägypten: Dem Fluch der Pharaonen auf der Spur ![]() Lord Carnavon war einer der ersten, die das Grabgewölbe Tutanchamuns betraten. Zusammen mit dem Britischen Archäologen Howard Carter schritt er in die stille Welt hinein, unberührt seit dreitausend Jahren, nachdem der legendäre ägyptische Kindkönig im Tal der Könige zur Ruhe gelegt worden war. Kurz nach diesem Abenteuer im Jahre 1922 starb der britische Aristokrat auf mysteriöse Weise. Schnell verbreitete sich das Gerücht, daß der Fluch der Pharaonen ihn und andere getötet hatte, die mit der Entdeckung verbunden waren. Der Fluch, hieß es, tötete jeden, der die Ruhe der Pharaonen störte. Ein Mythos war geboren. Die Tatsache, daß Lord Carnavon an einem infizierten Mückenstich starb, fand wenig Beachtung. Später schlugen Wissenschaftler vor, in den verschlossenen Grabkammern könnten möglicherweise latente Erreger einer unbekannten Krankheit existiert haben. Zahi Hawass, Generalsekretär des Ägyptischen Supreme Council of Antiquities, glaubt nicht an todbringende Flüche. Er hat jetzt eine wissenschaftliche Untersuchung in das pharaonische Geheimnis angekündigt. Ein Team von Wissenschaftlern, teilte er mit, bereitet derzeit eine umfangreiche Studie vor. Es ist geplant, bisher ungeöffnete Grabgewölbe auf gefährliche Substanzen, Gase und Krankheitserreger zu untersuchen. Über die Jahrhunderte könnten sich Krankheitserreger in den mumifizierten menschlichen Überresten entwickelt haben. Aber der Fluch der Pharaonen könnte auch einfach Fantasie ohne jede materielle Grundlage sein. Die Herrscher des alten Ägypten pflegten ihre Gräber mit Fluch-Inschriften zu "schützen". "Falls irgend jemand mein Grabgewölbe betritt, wird er von einem Krokodil, einem Nilpferd und einem Löwen gefressen werden!" droht eine kürzlich entdeckte Inschrift. Diese Flüche hießen nicht, daß das wirklich passierte, sagte Mr. Hawass. Er beschrieb, wie er selbst vor Jahren einmal während einer Ausgrabung in einem alten Grabgewölbe bewußtlos wurde. Falls mir damals etwas zugestoßen wäre, hätte man es gewiß dem Fluch zugeschrieben, sagte er, aber es war nur ein Unfall.
Nigeria: Der Amina-Lawal-Prozeß geht weiter Das Islamische Berufungsgericht des Staates Katsina hört die Berufung von Amina Lawal Kurami. Das Urteil ist für den 25.September ertwartet. Amina Lawal Kurami war am 22. März 2002 von einem Sharia-Gericht in Bakori zum Tode durch Steinigung verurteilt worden, weil sie zehn Monate nach ihrer Scheidung ein Töchterchen geboren hatte. Das war zumindest ein Monat zu spät. Unter Islamischem Strafrecht wird Schwangerschaft außerhalb der Ehe - unter welchen Umständen auch immer - mit dem Steinigungstod bestraft. Steinigung ist eine der barbarischsten Arten der Hinrichtung. Die Opfer werden bis zum Hals eingegraben, und Steine werden auf ihren Kopf und in ihr Gesicht geworfen, bis sie tot sind. Das ist Praxis in Saudi Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Afghanistan (auch jetzt noch, unter der neuen USA-unterstützten Regierung - siehe Bulletin Nr. 102), und in Pakistan (Bulletin Nr. 95 und 97). In Iran wurde es bis zum Januar 2003 praktiziert - dann wurden Steinigungen im Interesse der Handelsbeziehungen zur EU verboten. In Nigeria wurden seit der Wiedereinführung Islamischen Strafrechtes in den Nordstaaten (nach Ende der Militärherrschaft 1999) mehrere Verurteilungen zum Tod durch Steinigung wegen sexueller Vergehen verhängt. Bis jetzt fand keine Steinigung statt. Das Urteil gegen Amina Lawal löste einen Sturm von Protest in Nigeria und in der ganzen Welt aus. In dieser Atmosphere wurde im März 2002 eine andere unverheiratete und zu Steinigung verurteilte Mutter, Safiyatu Husseini im Staate Sokoto, vom islamischen Berufungsgericht freigesprochen. In Aminas Fall ignorierte das Sharia-Berufungsgericht in Funtuas jedoch kurzerhand alle Opposition aus moralischen wie rechtlichen Gründen und bestätigte das Steinigungsurteil am 19. August 2002 im Geiste des Fundamentalismus. Der Druck auf die nigerianische Regierung nahm zu. Präsident Obasanjo, selbst dem christlichen Glauben angehörend, versuchte den internationalen Protest zu beschwichtigen, ohne dabei die Unterstützung der mächtigen Gouverneure der Nordstaaten aufs Spiel zu setzen. Der explosive Fall Amina Lawal wurde für mehr als ein Jahr auf Eis gelegt, während Nigeria zur Wahl ging. In turbulenten allgemeinen Wahlen (den ersten unter Zivilregierung) wurde Präsident Obasanjo im April 2003 wiedergewählt. Das lange ausgesetzte Berufungsverfahren im Fall Amina Lawal wurde schließlich auf den 27. August festgesetzt. Nachdem ihre Anwälte die Berufungsbegründung vorgetragen hatten, wurde die Verhandlung jedoch ohne Urteilsspruch vertagt. Falls die Entscheidung, die nun am 25. September (oder in einer darauffolgenden Verhandlung) fallen dürfte, irgend etwas anderes als ein klarer Freispruch ist, kann gegen sie Berufung im staatlichen Bezirksberufungsgericht von Kaduna eingelegt werden. Dieses Gericht ist sekular. Selbst wenn die Verurteilung wegen außerehelicher Sexualbeziehungen (das ist auch hier ein Delikt) aufrecht erhalten würde, wäre die zu erwartende Strafe eine Gefängnisstrafe. Auf diesem Wege wurden bereits mehrere Steinigungsstrafen aufgehoben oder in Gefängnisstrafen verwandelt. Nach dem staatlichen Bezirksberufungsgericht kann der Fall in die zweite Instanz und schließlich zum Supreme Court gehen, dem höchsten staatlichen, säkularen Gerichtshof von Nigeria. Nigerianische Regierungsvertreter haben zum Ausdruck gebracht, daß sie eine solche Entwicklung begrüßen würden. Der Weg zum Supreme Court sei der einzig mögliche, die prinzipielle Gültigkeit des Islamischen Strafrechtes in Nigeria rechtlich anzufechten.
Pakistan: Angeklagte "Gotteslästerin" im Gefängnis getötet Naseem Bibi, 45, war seit Mai 2002 Insassin des Kotlakhpat Gefängnisses von Lahore in der Provinz Punjab. Der Gottesästerung angeklagt, erwartete sie ihren Prozeß. Sie starb am 25. August, gefoltert und zu Tode geprügelt von Mitgefangenen. Die Gefängnisbehörden versuchten, den Fall zu vertuschen, und gaben als Todesursache "Herzversagen" an. Naseem Bibis Rechtsanwalt Pervez Aslam teilt mit, daß seine Klientin sich eine Woche vor ihrem Tode über Drohungen und Angriffe beschwert hatte. Die Gefängnisbehörden seien alarmiert worden, hätten jedoch keine geeigneten Maßmahmen zu ihrem Schutze ergriffen. Er verlangt eine offizielle Untersuchung. Naseem Bibi lebte allein mit ihren beiden Söhnen im Teenage-Alter. Ihr Nachbar pflegte Annäherungsversuche zu machen, die sie zurückwies. Im Mai 2002 beschloß er, sich zu rächen. Er rief die Polizei und beschuldigte Naseem, eine Ausgabe des Koran verbrannt zu haben. Sie bestritt die Tat. Obwohl es keine weiteren Zeugen gab, reichte die falsche Anschuldigung des Nachbarn aus, ein Blasphemie-Verfahren gegen Naseem einzuleiten. Pakistans Blasphemie-Gesetz ist eine schmutzige Vernichtungswaffe. Wenn sie einmal gegen jemanden gerichtet ist, hat er wenig Chancen zu entkommen, egal, ob sie im Namen Allahs von religiösen Fundamentalisten geschwungen oder von irgendwelchen anderen haßgetriebenen Fanatikern "mißbraucht" wird.
Indien: In memoriam Abraham T. Kovoor Aus Anlaß seines 25. Todestages am 18. September Professor Abraham Thomas Kovoor repräsentiert eine reiche und farbige Phase der Geschichte der Indian Rationalist Association. Seine direkte und scharfe Kritik an spirituellem Betrug aller Art begeisterte das Publikum wo immer er auftrat und gab der Rationalistenbewegung, insbesondere in Indien, neue Sprengkraft. Ein machtvoller Orator, zog er im ganzen Lande massenweise Zuhörer an und schlug Scharlatane in die Flucht. Er forderte jeden heraus, der sich übernatürlicher Kräfte rühmte, und entlarvte Betrüger wie Sai Baba. Nahezu zwei Jahrzehnte lang war er in Indien die zentrale Figur im Kampf gegen Aberglauben. Geboren im südindischen Kerala als Sohn des ersten Generalvikars der Marthoma Kirche, vollendete er seine Erziehung in Kalkutta und begann seine Arbeit als junger Professor am dortigen CMS College. Später wanderte er nach Sri Lanka (damals noch Ceylon) aus und lehrte dort an verschiedenen Colleges. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1959 widmete er sein Leben der Rationalistenbewegung. Er baute die Ceylon Rationalist Association auf wurde 1960 zu ihrem Präsidenten gewählt - ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehielt. 1961 bereiste Kovoor Europa und baute Kontakte zur Weltunion der Freidenker auf. Er besuchte Italien, Frankreich, Deutschland und England. In London traf er führende Mitglieder der National Secular Society, deren Zeitschrift The Freethinker in ihrer Ausgabe vom 31. August 1962 einen Artikel über Kovoors Besuch enthält. Wieder in Ceylon, begann Kovoor sich intensiv mit angeblichen Wundern in verschiedenen Teilen Indiens und Ceylons zu beschäftigen. Seine Fallstudien fanden große Aufmerksamkeit in den Medien. Er schrieb Artikel über seine Begegnungen mit spirituellen Betrügern unter dem Pseudonym "Narcissus". Ein Wendepunkt in dieser Phase seines Lebens und ein Meilenstein auf seinem Wege zu rationalistischem Heldentum in Indien, stellte Kovoors Begegnung mit Joseph Edamaruku im Jahre 1962 dar. Eines schönen Tages betrat Kovoor Edamarukus Büro in Kottayam, Kerala, und stellte sich als Mitglied des Forums of Freethinkers vor, einer von Edamaruku gegründeten Gruppe. Er brachte einige von Narcissus' Artikeln zum Abdruck in Edamarukus Zeitschrift Vilambaram (Die Deklaration) mit. Dies war der Beginn einer einzigartigen Freundschaft und fruchtbaren Zusammenarbeit, die bis zu Kovoors Tod währte. Während der Sechziger und Siebziger Jahre reiste Kovoor mehrfach kreuz und quer durch ganz Indien und hielt hunderte von Versammlungen. Die Brillianz seiner Redekunst, seine klare wissenschaftliche Haltung und sein kritischer Geist wirkten in indischen Dörfern und Städten Wunder. Er bestritt die Existenz alles Übernatürlichen und eines Lebens nach dem Tode und forderte die indischen "Godmen" heraus, ihre "Wunder" unter betrugssicheren Bedingungen zu tun. Während seines letzten Aufenthaltes in Indien im Jahre 1976 besuchte Kovoor Sai Babas Ashram und forderte ihn auf, sich seinem Test zu stellen - was dieser ablehnte. Die Berichte in den Medien überschlugen sich. Kovoor war eine Berühmtheit geworden. Auf der Grundlage einer seiner Fallstudien entstand ein populärer Featurefilm in drei Sprachen. A. T. Kovoor starb am 18. September 1978. Er wünschte keinerlei Zeremonien bei seinem Begräbnis. "Ich fürchte mich nicht vor dem Tod oder dem Leben nach dem Tod", schrieb er in seinem Testament. "Um ein Beispiel zu geben, will ich kein Begräbnis haben." Er schenkte seine Augen einer Augenbank und seinen Körper einem medizinischen College für Anatomiestudien. Sein Skelet sollte der wissenschaftlichen Bibliothek am Thurston College in Colombo gegeben werden. Alles wurde nach seinen letzten Wünschen ausgeführt. Die Indian Rationalist Association hat A. T. Kovoor ihre gegenwärtige Stärke zu verdanken.
Malaysia: Ehescheidung per SMS Nach einem kürzlich ergangenen Urteil eines islamischen Gerichtes in Malaysia, können muslimische Ehemänner ihren Frauen jetzt per Textmessage auf dem Handy die Ehe aufkündigen. Das Urteil provozierte hitzige Debatten im Kabinet und mißfiel der Regierung so, daß sie es schließlich außer Kraft setzte. "Wir entschieden, daß das zwar in anderer Hinsicht korrekt sein mag, aber nicht der richtige Weg ist, die Scheidung zu bekommen", sagte Premier Mahatir Mohammed. Die Meinungen der religiösen Regierungsberater gingen auseinander. Nach Islamischem Recht kann ein verheirateter Muslim seine Ehe einseitig und formlos per "Triple-Talaq" auflösen, das heißt, indem er einfach unter Zeugen dreimal das Wort talaq! zu seiner Frau sagt. Die umstrittene Gerichtsentscheidung wollte dieses Verfahren noch weiterhin vereinfachen, indem es eine Scheidung per Short Message Service SMS für gültig erklärte, um damit zu etablieren, daß sogar Fernscheidungen per Knopfdruck Sharia-gemäß seien. The Empfänger dieses Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Berichte veröffentlichen, in ihre Website aufnehmen, weitermailen und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin # 113
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