Missionare in Baghdad "Gott und der Präsident haben uns die Gelegenheit beschert, Jesus in den Mittleren Osten zu bringen!" frohlockt einer der mehr als 30 amerikanischen Missionare, die sich seit letzten Mai in Baghdad niedergelassen haben. Ihr Seelenfang wird von Heerscharen reisender Kollegen und freiwilliger Helfer unterstützt. Der Enthusiasmus über die neue Goldgrube ist groß. "Irak wird ein Zentrum werden, von dem aus die Gospel von Jesus Christus nach Iran, Libyen und in den gesamten Mittleren Osten verbreitet wird", sieht Kyle Fisk, der Verwaltungsmanager der American National Association of Evangelicals voraus, die in den USA 4.5 Millionen Mitglieder hat. Seit dem vergangenen Sommer haben neun in den USA ansässige Evengelische Kirchen Filialen in Baghdad eröffnet. Unter ihnen sind die National Biblical Christian Federation Church (NBFC), die Southern Baptist Convention, die Association of Baptists for World Evangelization and die Voice of the Martyrs. Amerikanische Spenden fließen großzügig. In wenigen Monaten haben die meisten der Gruppen bereits sechsstellige Dollarbeträge gesammelt. Die Iraker reagieren bis jetzt nicht mit dem gleichen Enthusiasmus auf die Versuche, ihre Seelen zu retten. Die meisten der hastig gedruckten eine Million Bibeln auf arabisch warten noch auf Abnehmer. Die NBFC, eine der größten unter den neuen Kirchen in Baghdad, zählt sonntags bis zu 400 Besucher. Viele von ihnen kommen allerdings aus profanen Gründen. Alte Frauen wollen die Nahrungsmittelpakete abholen, die ihnen versprochen wurden. Andere benötigen Medikamente oder hoffen auf Hilfe bei der Suche nach einem Job. Jesus löst viele Probleme, war ihnen gesagt worden. Care-Pakete werden reichlich verteilt. "Während der Essensausgabe ist die beste Zeit, mit Ungläubigen über Jesus zu sprechen", erklärt einer der Pastoren. Die NBFC hat bis jetzt 60.000 Pakete verteilt. Tonnen von Nahrungsmitteln und medizinischem Bedarf kommen laufend aus den USA. Die Gospel scheint sich jedoch nicht im gleichen Tempo zu verbreiten. Die christlichen Brigaden sind in Irak nicht willkommen. Die Medien sprechen von "christlicher Verschwörung" und "Kreuzzügen" und kündigen Haß und Gewaltausbrüche zwischen den Religionsgemeinschaften an. "Die Iraker sehen bereits die amerikanische Besetzung ihres Landes als religiösen Krieg an", sagte der Schiitenführer Shaik Fatih Kashif Ghitaa, der sich mit Sunni-Klerikern traf, um die Möglichkeit einer gemeinsam von beiden Muslimfraktionen verhängten Fatwa zu besprechen. Das "Fenster der goldenen Möglichkeiten", das Gott & President für die Bekehrung des Mittleren Ostens geöffnet haben, dürfte mit einem lauten Knall zuschlagen, sobald die US-Militärmaschine sich aus dem Lande zurückzieht. Vorher soll es Bush aber noch viel Jubel zu harter Wahlzeit einbringen, der sich in Spenden, aktive Kampagnenhilfe und sicherlich in Millionen evangelischer Stimmen transformiert.
USA: Eine Milliarde Steuerdollars für religiöse Wohltätigkeitsvereine Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht aus dem Weißen Haus hat die Regierung Bush im Finanzjahr 2003 mehr als 1.1 Milliarden Dollar im Bewerbungeverfahren an religiöse Wohltätigkeitsorganizationen vergeben. Der Betrag könnte nach offiziellen Angaben noch wesentlich höher sein, da bisher keine vollständige Liste der Zuschüsse vorliegt. Es wurden soweit fünf der für die Vergabe zuständigen Bewilligungsstellen aufgefordert, ihre 140 Unterstützungsprogramme auszuwerten. Das Ministerium für Gesundheit und Soziale Leisungen wies für das Jahr 2003 eine Gesamtausschüttung von 568 Millionen Dollar aus, die an 680 glaubensgebundene Gruppen verteilt worden war. Verglichen mit 2002, bedeutet dies einen Anstieg um 19% im Betrag und 41% in der Anzahl der begünstigten Organisationen. Unter den Organisationen waren 129 Erstempfänger, was einen Anstieg von 50% zum Vorjahr bedeutet. Bei den anderen bisher berücksichtigten Vergabestellen handelte es sich um die Ministerien fuer Justiz, Arbeit, Erziehung sowie Wohnungsbau & Stadtplanung. Die Zuschüsse wurden auf der Grundlage eines Vollstreckungsbefehls vergeben, da der entsprechende Gesetzesentwurf im Congress "steckenblieb" und bis heute nicht verabschiedet wurde. Präsident Bushs Entscheidung, den Hauptanteil der staatlich finanzierten Sozialarbeit religiösen Organisationen zu übertragen, war eine seiner ersten Amtshandlungen gewesen. Sie stellt eine grobe Verletzung der säkularen Verfassung der Vereinigten Staaten dar. Viele der geförderten Gruppen sind nicht nur glaubensorientierte Organisationen, die Sozialarbeit in professioneller Weise betreiben, sondern üben Wohltätigkeitsdienste als religiöse Handlungen aus.
Chile: Ehescheidung gegen den Widerstand der Kirche legalisiert Chile hat endlich die Ehescheidung legaliziert. Das Parlament bestätigte den umstrittenen, im Januar verabschiedeten Gesetzesentwurf, der neun Jahre lang wirksam von der Katholischen Kirche blockiert worden war. "Dies ist ein Moment reiner Freude!", sagte Justizminister Louis Bates zur Feier des Triumphes von Demokratie und Freiheit. Die meisten Chilenen teilen dieses Gefühl und begrüßen das neue Gesetz mit Optimismus - viele mit einem Seufzer der Erleichterung. "Chile hat begonnen, sich rapide zu öffnen, die Leute wollen glücklich sein und verteidigen dieses Recht", sagte die Abgeordnete Maria Antoineta Saa von der Partei für Demokratie, die den Gesetzesentwurf im Jahre 1993 eingebracht hatte. Chile war eines der letzten Länder der Welt, in denen Ehescheidung gesetzlich verboten ist. Die Legalisierung der Ehescheidung wurde gegen den massiven Widerstand einer mächtigen Minderheit katholischer Hardliner durchgesetzt, die mit allen Mitteln gegen Liberalisierung kämpfen. Sie versuchten den Gesetzesentwurf abzuwürgen, indem sie die Parlamentsabgeordneten unter moralischen Druck setzten. In einer aggressiven Anzeigenkampagne im Fernsehen wurde katholischen Abgeordneten mit Exkommunikation gedroht, wenn sie den Gesetzesentwurf unterstützten. Über Jahrzehnte hinweg haben aufeinanderfolgende Zentrums- und Linksregierungen versucht, das Familiengesetz von 1884 zu liberalisieren. Die Versuche scheiterten am Widerstand der Katholischen Kirche. In der Vergangenheit wurden bereits 18 Gesetzesentwürfe zur Ehescheidung eingebracht, aber keiner kam durch.
Uganda: Neue Massaker der "Widerstandsarmee Gottes" Stammesführer der Acholi, der Lango and der Tese in Nord-Uganda schlagen Alarm, nachdem neue Massaker von "Gottes Widerstandsarmee" (Lord's Resistance Army, LRA) im Februar in Lira and in den Flüchtlingslagern von Abia und Barlayo mehr als 300 Menschenleben kosteten. Wenn die Landesregierung nicht in der Lage ist, genügend Truppen zu schicken, um die Bewohner des Nordens vor den Angriffen der LRA zu schützen, soll sie die Region zum Notstandsgebiet erklären und um internationale Hilfe zur Bekämpfung der Rebellen ersuchen, fordern die Stammesführer. Die LRA Die LRA ist eine außerordentlich grausame Rebellenarmee, die Zivilisten in Nord-Uganda verstümmelt und bei lebendigem Leibe verbrennt. Ihr Anführer ist der christliche Fundamentalist Joseph Kony, ein Acholi. Kony will seinen Stamm und dessen Nachbarn von allen "Sündern" säubern und zum Führer von Uganda machen. Er strebt die Regierung des Landes auf der Grundlage der Zehn Gebote an. Die LRA tauchte im Jahre 1986 auf und hat seither schätzungsweise 120.000 Menschen getötet und ungefär zwei Millionen von ihren Wohnorten vertrieben. Mehr als ein Fünftel von Uganda wird von der LRA terrorisiert. In den Nordgebieten ist ein geregeltes Leben unmöglich geworden, die gesamte Wirtschaft ist zusammengebrochen. Die meisten der ca. 3.000 Soldaten von Konys Terrorarmee sind Kinder, die entführt und dermaßen traumatisiert wurden, daß sie ihm absoluten Gehorsam leisten. Während ihrer 17-jährigen Existenz hat die LRA ungefär 25.000 Kinder entführt. Viele verzweifelte Entführte schaffen es, aus den Lagern zu fliehen, aber oft werden sie später gefangen und getötet. Manche entkommen und finden Aufnahme in speziellen Rehabilitationszentren. Sie sind die einzige Informationsquelle über die inneren Vorgänge in der Terrorarmee. Es gibt keinen unabhängigen Beobachter. Kony unterhält seit vielen Jahren keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Die, die entkommen, berichten regelmäßig über schreckliche Initiationsriten der Armee. Während der ersten Stunden nach der Entführung einer neuen Gruppe von Kindern aus einem Dorf, bestimmen die Kommandeure eines unter ihnen zum Tode. Dann befehlen sie dem Rest, das Opfer zu Tode zu prügeln. Sie drohen, daß dieses Schicksal jeden von ihnen treffen wird, der versucht zu fliehen oder ungehorsam ist. Viele Kinder werden brutal gefoltert und verstümmelt, viele werden gezwungen, in ihr Dorf zu gehen und alte Freunde oder sogar ihre Eltern zu foltern und zu töten. Die meisten stehen permanent unter schwerem psychologischem Schock. Die Kinder werden dazu gebracht, Kony zu fürchten und zu verehren wie einen Gott mit heiligem Geist und übernatürlicher Macht, der all ihre heimlichen Gedanken kennt und sie überall und jederzeit bestrafen kann. Joseph Kony, Sohn eines katholischen Katecheten und selbst ein früherer Meßknabe, ist wahrscheinlich in seinen frühen Vierzigern. neben archaischen christlichen Glaubenselementen scheint er gezielt den unter den Eingeborenenstämmen verbreiteten Geisterglauben einzusetzen, um seine Machtposition zu sichern. Zeugen glauben z.B., sie hätten eine weiße Taube um seinem Kopf kreisen sehen oder Sterne wahrgenommen, die als Zeichen seiner Göttlichkeit über ihm erscheinen. In jüngster Zeit wird berichtet, er habe auch islamische Elemente in sein schillerndes Image integriert. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern The Empfänger dieses Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Berichte veröffentlichen, in ihre Website aufnehmen, weitermailen und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin # 123
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