Dschungelboys Buddha-Nummer
Der meditierende Junge wird einfach nachts essen und trinken, sagt Sanal Edamaruku Auf einer Lichtung im tiefen Dschungel des südlichen zentralen Nepal sitzt ein Junge bewegungslos in einer Höhle zwischen den großen Luftwurzeln eines Affenbrotbaumes. In einen weißen Schal gewickelt, die Augen geschlossen, die Beine gekreuzt and die Hände in der typischen Haltung, sieht der 15-jährige Ram Bahadur Bamjon wie eine klassische Buddha-Statue aus. Und in der Tat: seine Manager versuchen, ihn als eine 2500 Jahre verspätete Reinkarnation des Prinzen Siddartha Gautam zu verkaufen, der im Jahre 560 A.C. im Dorf Lumbini, rund 250 km westlich von hier, geboren wurde. Während er so seit dem 17. Mai in tiefer Meditation dasitzt, hat der Buddha-Junge mehr als sechs Monate lang keine Nahrung zu sich genommen und keinen Tropfen Wasser getrunken, behaupten seine Unterstützer. Seit Beginn ihrer PR-Kampagne Anfang November drängen sich täglich Tausende von Dorfbewohnern in der Dschungellichtung und bieten Gebete und Spenden dar. In der Bank im nahen Dorf Ratanapuri haben die Manager begonnen, Beträge von mehreren hunderttausend Rupien einzuzahlen, bezeugte ein Regierungsbeamter. "Das ist ein typischer Fall von Betrug", sagte Sanal Edamaruku, Präsident der Indian Rationalist Association (IRA), in einem Interview mit dem indischen Fernsehsender Aajtak, das im gesamten Subkontinent ausgestrahlt wurde. "Der Junge wird einfach nachts essen und trinken. Die Behauptung, er habe sechs Monate lang gefastet, ist nicht ernstzunehmen, solange keine betrugssichere Blutuntersuchung bestätigt, daß sein Blut keine Glukose enthält." Vergangene Woche besuchten im Auftrag der IRA drei Ärzte aus Kathmandu den Ort und fragten bei den Hütern des Jungen höflich um Erlaubnis an, eine Blutprobe von ihm nehmen zu dürfen. Ihnen wurde strikt der Zugang verweigert. Schlägertypen drohten ihnen ernste Konsequenzen an, falls sie die Gegend nicht augenblicklich verließen. Der Meditationsplatz ist abgeriegelt, und niemand außer Bamjons Team darf näher als 50 Meter an seinen heiligen Baum herankommen. Seine Unterstützer behaupten, daß die Meditation des kleinen Buddha heilig sei und um keinen Preis gestört werden dürfe. Bis jetzt hatte kein Außenstehender Gelegenheit, mit dem Jungen zu sprechen. Sogar Polizeibeamte, die versuchten, alle Teilnehmer des merkwürdigen Dramas zu verhören, um herauszufinden, was da vor sich ging, mußten unverrichteterdinge wieder abziehen. Die rationalistischen Ärzte beobachteten den Jungen durch ein Fernglas und fanden seine Atmung regelmäßig und gesund. Er saß nicht ganz so unbeweglich da, wie es aus wie aus der Ferne erschien: sein Adamsapfel bewegte sich oft auf und ab, und gelegentlich öffnete er für eine Sekunde ein wenig seine Augen. Im Vergleich zu einem Zeitungsfoto, das angeblich zu Beginn seiner Fastenzeit aufgenommen worden war, schien ihnen sein Gesicht eher runder und voller geworden als abgemagert zu sein. Es war nicht zu beobachten, daß er während des Tages gegessen oder getrunken hätte. Aber jeden Abend wurde der Baum mit Tüchern abgedeckt, die Bamjons Wurzelhöhle verstecken, so daß niemand sehen sollte, was sich dort zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ereignete. Inzwischen hat sich die Dschungellichtung in einen Pilgerort verwandelt. Rote Banner preisen den wiedergeborenen Buddha, und improvisierte Verkaufsstände und -hütten erfüllen die Bedürfnisse des nicht enden wollenden Besucherstromes. Der Meditationsplatz ist in Räucherstäbchen-Schwaden gehüllt und mit bunten Stofffetzen, Blumen und Girlanden dekoriert. Einige Rationalisten haben sich unter die Pilger gemischt, die hauptsächlich aus Landbewohnern und Gruppen von buddhistischen Mönchen bestehen. Es ist ihnen gelungen, in Gesprächen Zweifel an der Geschichte von Bamjons großem Fasten zu wecken. Einige buddhistische Mönche stimmen mit ihnen überein: Buddha selbst hat seinen Anhängern geraten, während der Meditation nicht zu fasten, sondern gut zu essen, bestätigen sie. Durch die zunehmende Zahl von Zweiflern unter Druck geraten, hat sich die örtliche Regierungsverwaltung des Distriktes Bara bereiterklärt, eine wissenschaftliche Untersuchung des Falles durchführen zu lassen. Angeblich hat sie die Königliche Akademie für Wissenschaft und Technik ersucht, ein Team von Ärzten zu schicken, die bald eintreffen sollen. Gerüchte wollen wissen, daß sie noch über der Frage brüten, wie sie das angebliche Fasten untersuchen sollen, ohne die heilige Meditation zu stören oder den kleinen Buddha zu berühren. "Das ist sehr verdächtig", sagte Sanal Edamaruku. "Wir müssen die Möglichkeit in Erwägung ziehen, daß die, die eventuell kommen werden, den Fall zu untersuchen, Teil des Dramas sind. Vielleicht sind sie überhaupt keine Ärzte, vielleicht sind sie korrupte Ärzte, die einem Betrug ihren wissenschaftlichen "Segen" geben wollen. Wir würden daher gerne sehen, daß unsere eigenen Ärzte die Untersuchung durchführen oder zumindest an ihr teilnehmen." Bis jetzt ist vor Ort kein Wissenschaftler der Königlichen Akademie angekommen. Das Ärzte-Team der Rationalisten, das die Distriktverwaltung um Schutz und Assistenz ersucht hat, um eine medizinische Untersuchung an Bamjon vornehmen zu können, hat bis heute keine offizielle Antwort erhalten.
Jesus Christus in Kolumbien Kolumbien ist ein Land, das die Narben von Jahrzehnten absurder Bürgerkriege trägt. Gewalt ist hier allgegenwärtig und scheint niemals enden zu wollen. Das Land ist die Heimat der ältesten aktiven Guerillatruppe der Welt, die sich vor 41 Jahren gründete, um eine sozialistische Regierung zu erkämpfen. Andere bewaffnete Kräfte sind hauptsächlich rechtsextremen paramilitärischen Gruppen und den mächtigen Drogenkartellen zuzuordnen. Chronische Korruption und schwere Menschenrechtsverletzungen stehen auf der Tagesordnung. Obwohl die Situation leichte Tendenzen zur Besserung zu zeigen scheint, machen all diese Faktoren Kolumbien zu einem der am stärksten von Gewalttätigkeit beherrschten Länder der Welt. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Christen, viele von ihnen leidenschaftlich gläubig. Eine Trennung von Kirche und Staat besteht in Kolumbien nicht, nicht einmal als Gegenstand kritischer Diskussion. Die Verfassung selbst ruft Gott an und erbittet seinen Schutz. Die Massenmedien, von rein wirtschaftlichem Interesse getrieben, sind viel mehr bestrebt den Geschmack der Frommen zu befriedigen als rationalistisches Denken zu fördern. So publizieren sie fröhlich Horoskope und Berichte über sämtliche Erscheinungen der Jungfrau Maria, der es gefällt, ihr Gesicht in den Farbflecken irgenwelcher Hauswände oder auf den Stämmen gewisser Bäume zu zeigen. Jesus Christus will natürlich nicht zurückstehen und läßt sein Spiegelbild in allen möglichen Fenstern leuchten. Berichte solch hysterischer Sichtungen werden gewöhnlich ohne jeden Hinweis auf rationale oder wissenschaftliche Erklärungen der jeweiligen Phänomene veröffentlicht. Als ein Ergebnis dieser unverantwortlichen Haltung der Medien nehmen Leichtgläubigkeit und Aberglaube der Leute immer weiter zu. In dieser Atmosphere ziehen Geschichten wie die folgende die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in ihren Bann. Im Juni 2005 informierten Verwandte eines alten Ehepaares, die seit langem nichts von diesem gehört hatten und eine Entführung befürchteten, die Polizei. Als die Beamten das Haus in der Stadt Cali öffneten, in dem das Paar mit dreien seiner Kinder wohnte, wurden sie Zeugen einer bizarren Szene. Die beiden alten Leute lagen in ihrem Bett, tot und mit primitiven Techniken der Mumifizierung konserviert. Sie lagen inmitten von Kräutern, denen ein schwerer Duft entströmte. Ihre drei Kinder, die den Tod der Eltern geheimgehalten hatten, teilten das Haus mit einem Fremden, der sich als Jesus Christus vorstellte. Er zeigte der Polizei Wunden an seinem Kopf und auf seinem Rücken, die angeblich vor einigen Jahrhunderten durch eine Dornenkrone und eine Peitsche verursacht worden waren. Juden hatten ihm das angetan, erklärte "Jesus". Desweiteren ließ der "Messias" die Beamten wissen, daß das alte Ehepaar keineswegs tot war, sondern in der vierten Dimension lebte und bald zurückkehren und wieder aufwachen werde. Er selbst sei 2013 Jahre alt, gab er an. "Ihr werdet es niemals verstehen", fügte er feierlich hinzu - vermutlich die einzig wahren Worte, die über seine Lippen gekommen waren. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern Copyright © 2005 Rationalist International. Empfänger des Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Meldungen veröffentlichen, im Internet zugänglich machen, weiterversenden und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin Nr. 150, Copyright © 2005 Rationalist International.
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