RATIONALIST INTERNATIONAL

Bulletin Nr. 155 (28 Mai 2006)

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IN DIESER AUSGABE

Kuwait: Frauen kandidieren zu den Parlamentswahlen

Nepal: Entthronung des Gottes Vishnu

Norwegen: Nachdenken über Säkularismus...

Veränderungen in der Geschäftsführung des Humanistischen Schirms

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4. Internationale Rationalistenkonferenz
26. bis 29. Dezember 2006 in Neu Delhi
Qutab Minar
Wegen weiterer Informationen und Anmeldung, schreiben Sie bitte an:
Conference@rationalistinternational.net

Kuwait: Frauen kandidieren zu den Parlamentswahlen

Dr. Rola Dashti (right)
Dr. Rola Dashti (rechts)

In Kuwait hat die Gleichberechtigung einen großen Sprung vorwärts gemacht. Zum ersten Mal in der Geschichte des ölreichen Golf-Emirates haben sich Frauen als Kandidatinnen zu den Parlamentswahlen am 29. Juni aufstellen lassen. Dr. Rola Dashti, Vorsitzende der Kuwaitischen Ökonomischen Gesellschaft und führende Frauenrechtlerin, schrieb sich als erste Frau bei der Wahlbehörde ein, sobald die Anmeldung eröffnet war. Vier weitere Frauen folgten.

Seit Errichtung des Kuwaitischen Parlamentes im Jahre 1962 waren Frauen von der Teilnahme am politischen Prozeß ausgeschlossen. In einer historischen Parlamentsentscheidung im Mai 2005 erhielten sie das Recht zu wählen und für Öffentliche Ämter zu kandidieren. Seither ließen sich im letzten April zwei Frauen zu Bezirkswahlen aufstellen. Eine von ihnen errang unter den Kandidaten für einen Sitz die zweithöchste Stimmzahl.

Die kommenden Wahlen wurden nach der Auflösung des Parlamentes ausgerufen, das in eine tiefe Krise über einen Gesetzesentwurf zur Walreform geraten war, der die Verringerung der Anzahl der Wahlbezirke forderte.

 

Nepal: Entthronung des Gottes Vishnu

Das einzige Hindu-Königreich der Welt wird ein säkularer Staat

Von Sanjeev Neopadi

König Gyanendra
König Gyanendra
Premierminister Koirala
Premierminister Koirala

Am 18. Mai 2006 feierte Nepal eine bedeutende historische Errungenschaft. Das Parlament verabschiedete eine Resolution, die das einzige Hindu-Königreich zu einem säkularen Staat erklärte und den Monarchen zu einem bloßen Titelträger degradierte. Die Resolution war die erste größere Amtshandlung der neuen, aus sieben Parteien zusammengesetzten Interimsregierung unter Premierminister Girija Prasad Koirala, die im April an die Macht gelange, nachdem unkontrollierbarer Massenprotest, ausgelöst von aufständischen Maoisten, König Gyanendra zwang, seine absolute Macht abzugeben.

Der König von Nepal wird als Reinkarnation des Hindu-Gottes Vishnu verehrt. Im Jahre 2002 erklärte ein weltweiter Dachverband von Hindu-Organisationen Gyanendra auch zum "Hinduistischen Weltherrscher". Im vergangenen November vertrat Nepals Generalstaatsanwalt im Obersten Gerichtshof die Position, daß der König über jeder menschengemachten Verfassung stehe und daß seine Pflichten göttlicher Natur seien. Nun beschnitt die Resolution sowohl seine religiöse als auch seine weltliche Macht, indem sie ihm den Oberbefehl über die Armee, rechtliche Immunität sowie Steuerfreiheit entzog. Große Menschenmengen, die sich in allen bedeutenden Städten des Landes versammelten, begrüßten die Entscheidung mit Begeisterung. Die Regierung rief einen nationalen Feiertag aus.

Um rechtskräftig zu werden, muß die Resolution nun in Form einer Folge von neu entworfenen Gesetzen verabschiedet werden. Dies wird erwartungsgemäß in den nächsten Tagen geschehen. Dann muß eine besondere Versammlung gewählt werden, das die Verfassungsänderungen entwirft. Diese wird dann auch endgültig entscheiden, ob der König eine zeremonielle Rolle behalten darf (wie es die Regierung Koiralla wünscht) oder ob Nepal die Monarchie total abschafft und eine Republik wird.

Der Staat Nepal besteht seit 1768. Erst 1962 wurde er zum Hindu-Königreich erklärt, als König Mahendra, Vater von Gyanendra (und seinem ermordeten, eher volksfreundlichen Bruder Birendra), das Parlament auflöste, die Verfassung umschrieb und die absolute Macht an sich riß. In Volkszählungen wurden 85 Prozent der 27 Millionen Nepalesen als Hindus gezählt, obwohl die meisten der 59 ethnischen Bevölkerungsgruppen in Nepal ihre traditionellen Stammesreligionen beibehalten haben, darunter einige mit buddhistischem oder animistischem Hintergrund. Die Konstruktion einer angeblich homogenen hinduistischen Mehrheit wurde aufgebaut und aufrechterhalten in enger Zusammenarbeit des Palastes von "Lord Vishnu" mit der nepalesischen Bruderorganisation der hindu-extremistischen indischen RSS, der auch beträchtliche Summen zur Verfügung gestellt wurden, als im vergangenen November die Pro-Demokratie-Bewegung an Stärke und Bedeutung gewann. Nun wurde (recht gemäßigter) Protest gegen die Säkularisierung Nepals vorwiegend in zwei Distrikten an der indischen Grenze laut, offensichtlich von indischen Hindu-Organisationen inspiriert. Diese befürchten - durchaus realistisch - daß ein säkulares Nepal zum Jagdrevier für christliche Missionare wird.

Bis jetzt waren missionarische Aktivitäten wegen bestehender Anti-Konversions-Gesetze auf heimliche Aktionen beschränkt. In einem vor wenigen Monaten erstellten weltweiten Überblick ist Nepal der Staat mit den meisten ausländischen NGOs (non-governmental organizations) im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Viele von ihnen haben christliche Verbindungen; einige sind Agenten politischer Mächte. Das "Dach der Welt", wie der kleine Staat in den Höhenlagen des Himalaja genannt wird, ist nicht nur für christliche Kreuzfahrer von immensem geo-politischem und strategischem Interesse.

 

Norwegen: Nachdenken über Säkularismus...

Von Sven Andersen

Jens Stoltenberg
Jens Stoltenberg

Im Jahre 1537 nahm Norwegen per königlichem Dekret die lutherische Religion als Staatsreligion an. Bis heute, 469 Jahre später, ist es nicht aus der historischen Umarmung von Monarchie und Kirche herausgekommen. Das System bleibt stabil, weil es sicher eingebettet ist in die Verfassung. Jeder Bürger wird als Kirchenmitglied geboren - und bleibt es, solange er oder sie nicht entschlossen ist, die Kirche allen Nachteilen zum Trotz zu verlassen. Und das sind nur wenige der 4.6 Millionen Norweger, wenn sie nicht zu Familien mit Minderheitsreligionen gehören wie viele Immigranten. Einen weiteren Schutz für das System stellt die in der Verfassung verankerte Regel dar, daß mindestens die Hälfte aller Minister einer jeden Regierung Kirchenmitglieder sein müssen. Eine Partei, die - sei es zufällig oder aus Prinzip - keine oder einfach nicht genügend Kirchenmitglieder hat, ist von der vollen Macht ausgeschlossen. Nach einer Periode von acht Jahren unter einem lutherischen Pfarrer als norwegischem Premierminister, haben die Winde sich im vergangenen September ein wenig gewendet. Der neue Premier Jens Stoltenberg, der eine rot-grüne Koalitionsregierung führt, ist selbst kein Kirchenmitglied - aber seine Koalitionspartner sind Mitglieder. Unter der neuen Regierung wurden die Privilegien der Staatskirche Ziel öffentlicher Kritik, nachdem das Internationale Helsinki-Komitee eine Veränderung des Paragraphen 12 der Verfassung forderte, der Quotenregelung für Minister, da diese die Religionsfreiheit verletze und die Menschenrechtskonventionen der UNO sowie des Europa-Rates breche. Im Januar 2006 empfahlen 18 der 20 Mitglieder des Storting (Norwegisches Parlament), die Trennung von Staat und Kirche in Erwägung zu ziehen. Nur vier von ihnen wollten jedoch, daß die lutherische Kirche ihre privilegierte Sonderposition verlieren sollte. Ende April fand die erste Anhörung in der Angelegenheit statt. Es wurde beschlossen, bis Dezember 2006 die Meinung von 2500 Gruppen und Einzelpersonen - darunter alle Kirchen-Kongregationen - zum Vorschlag der Trennung einzuholen. Sollte es sich im Dezember herausstellen, dass die Meinungen günstig sind, koennte ein Entwurf einer Verfassungsänderung ausgearbeitet und schließlich vom Storting verabschiedet werden.

Aber das allein würde nicht genügen. Die Verfassung von Norwegen - das eiserne Herz der Verbindung von Kirche und Regierung - ist dreifach geschützt. Sie kann nicht verändert werden - nicht einmal, wenn das Parlament für die Veränderung stimmt. Nur wenn die Verfassungsänderung verabschiedet und zusätzlich von zwei aufeinanderfolgenden Parlamenten bestätigt wird, hat sie Chancen durchzukommen! Das heißt, daß sich unter gar keinen Umständen vor dem Jahre 2014 irgend etwas rühren kann!

 

Veränderungen in der Geschäftsführung des Humanistischen Schirms

Sonja Eggerickx
Sonja Eggerickx

Suresh Lalvani, Gesellschaftssekretär und Operationsdirektor der IHEU (International Humanist and Ethical Union), berichtet über einige Veränderungen in der Geschäftsführung. Der umstrittene frühere Präsident, Roy Brown, hat sich aus dem Exekutiv-Komitee zurückgezogen. Neue Präsidentin ist Sonja Eggerickx, Schul-Oberinspektorin aus Belgien und langjähriges Mitglied des Exekutiv-Komitees. Larry Jones wurde zum Ersten Vizepräsidenten gewählt, Roar Johnsen, Jack Jeffery und Rob Buitenweg sind Vizepräsidenten, Kassenwart ist Roger Lepeix. Von den beiden angestellten Kräften wird Suresh Lalvani weiterhin als Gesellschaftssekretär und Operationsdirektor im Amt bleiben, während Babu Gogineni, bisher als Exekutiv-Direktor im Londoner Büro, in seinen Heimatstaat Andhra Pradesh in Südindien zurückgekehrt ist. Von dort wird er wichtige Aufbauarbeit für die IHEU leisten mit den Schwerpunkten Südasien und Afrika.

Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern


Copyright © 2006 Rationalist International. Empfänger des Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Meldungen veröffentlichen, im Internet zugänglich machen, weiterversenden und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin Nr. 155, Copyright © 2006 Rationalist International.

 
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