Vatican: Der Viagra-Papst
Der Deal entfesselte in Italien einen Sturm. Die Verhandlungen waren streng geheim, doch die angesehene Wirtschaftszeitung Milano Finanza brachte es ans Licht: Papst Benedikt XVI kauft Pfizers Viagra-Fabrik in Nerviano in der Nähe von Mailand. Das Geschäft wird im Namen der ehrwürdigen Bruderschaft Figli dell'Immacolata Concezione (Kinder der unbefleckten Empfängnis) abgeschlossen. Der Orden versucht, die Übernahme als gute Tat zu präsentieren. Sie könne 300 Arbeitsplätze sichern, denn Pfizer plane, die Fabrik in Mailand trotz Gewerkschaftsprotest zu schließen, sagen die Brüder, die bereits vor drei Jahren Pfizers medizinisches Forschungszentrum in Nerviano übernommen haben. Der Vatikan schweigt sich aus über den Griff des heiligen Vaters nach der blauen Pille. Ein anonymer Insider, von der schweizer Zeitung Blick befragt, versuchte die Geschichte herunterzuspielen mit der Mutmaßung, die Firma werde sich wohl auf weniger umstrittene Produkte verlegen, wenn erst in unbefleckten Händen. Aber es gibt andere Vertreter der Katholischen Kirche wie z.B. Erzbischof Arrieta in Spanien, die ganz offen Viagra empfehlen, um dem Sexualleben der Gläubigen mehr Glanz zu verleihen – selbstverständlich nur dem der heterosexuell verheirateten. „Die Gläubigen können Viagra nehmen”, sagte Arrieta kürzlich. „Verheiratete Paare haben das Recht, den sexuellen Akt zu erleben”. Hinter den verschlossenen Türen des Vatikans ist Viagra della Papa inzwischen Stadtgespräch. Es wird erwartet, daß es schon bald ein Bombengeschäft werden und der verblassenden Anziehungskraft des Katholizismus dazu auch noch ein wenig Sexappeal verleihen könnte.
Neue Ehrenmitglieder Rationalist International freut sich, drei neue Ehrenmitglieder begrüßen zu dürfen.
Maryam Namazie lebt in London. Sie wurde im Iran geboren. Namazie ist eine prominente Menschenrechtsaktivistin, Autorin und Broadcasterin. Sie hat Kampagnen gegen Steinigung und Hinrichtung in islamischen Gesellschaften geleitet, gegen Verschleierung von Kindern, Sharia und religiöse Gesetze gekämpft, das Verbot von religiösen Symbolen in Schulen und anderen öffentlichen Institutionen verteidigt und dazu aufgerufen, die Gesellschaft zu säkularisieren und von Religion zu befreien sowie die Meinungs- und Redefreiheit zu wahren. Namazie war früher sieben Jahre lang gewählte Direktorin des Internationalen Verbandes Iranischer Flüchtlinge, einer von Flüchtlingen getragenen Organisation mit 60 Vertretungen in 20 Ländern. Als Direktorin dieser Organisation sprach sie im Namen von Tausenden von iranischen Asylsuchenden und Flüchtlingen und nahm erfolgreich Einfluß auf viele Einzelfälle. 2005 wurde sie von der National Secular Society, einer prominenten Freidenkerorganisation in Großbritannien, als „Säkularistin des Jahres” ausgezeichnet.
Jocelyn Bézecourt lebt in Paris. Er promovierte am Observatorium von Toulouse in Astrophysik mit einer Arbeit über Evolution von Galaxien und Gravitations-Lensing. Als engagierter und artikulierter Atheist präsentierte er seine Position in Konferenzen, Artikeln und Büchern. 2006 erschien: „Gegen Benedikt XVI – Der Vatikan gegen die Freiheiten” (auf Französisch), das er in Zusammenarbeit mit Gérard Da Silva schrieb.
Pekka Elo lebt in Helsinki. Seit den Siebzigerjahren arbeitet er in Finland im Bereich Rationalismus, Humanismus und Philosophie und war lange Zeit Präsident der Finnischen Humanisten Union und Herausgeber der Finnischen Humanisten Zeitschrift. Elo arbeitet im Finnischen Nationalen Erziehungsrat und ist verantwortlich für den säkularen Ethik- und Philosophie-Unterricht. Er ist auch ein Mitglied des Nationalen Ausschusses für Matrikulations-Examen und amtierendes Direktionsmitglied der internationalen Vereinigung von Philosophielehrern (AIPPh). Er ist für das UNESCO-Erziehungsprogramm über das „Erbe der Welt” (World Heritage Education) und die damit verbundenen ASP-Schulen in Finnland verantwortlich. Pekka Elo hat Vorträge in verschiedenen internationalen Konferenzen gehalten und mehr als 150 Artikel sowie zahlreiche Bücher veröffentlicht.
Hütet Euch vor Heiligen Schriften! Texte über gottgewollte Gewalt machen aggressiv, weisen Forscher nach Nicht nur Actionfilme und Killerspiele am Computer können aggressives Verhalten fördern. Neue Forschungsergebnisse beweisen: literarische Texte können das Gleiche tun, ganz besonders, wenn sie eine göttliche Rechtfertigung von Gewaltakten anbieten. Und ihr Einfluß begrenzt sich durchaus nicht auf religiöse Extremisten. Wissenschaftler des angesehenen Institutes für Sozialforschung (Institute for Social Research, ISR) an der Universität von Michigan, USA, fanden heraus, daß Lesen über Gewalt im Namen Gottes bei durchschnittlichen Religiösen – und sogar bei Nichtreligiösen – Aggressionen weckt. „Es ist wichtig zu beachten, daß wir Beweise, die diese Hypothese bestätigen, von Gruppen von Universitätsstudenten gewonnen haben, die nach unserer Einschätzung nicht dem Typ von Terroristen entsprachen, die Zivilisten in die Luft sprengen”, schreibt Brad Bushman, Professor der Psychologie und Kommunikation am ISR. „Sogar unter unseren Teilnehmern, die nicht religiös waren, führte Kontakt zu gottgewollter Gewalt in der Folge zu Aggressionssteigerung. Daß diese Wirkung bei solch einer Gruppe festgestellt wurde, mag die heimtückische Macht des Einflusses von Gewalt in literarischen Schriften belegen.” Prof. Bushman und seine Kollegen führten zwei unabhängige Studien mit Studenten der Brigham Young University in den USA und der Vrije Universiteit Amsterdam in den Niederlanden durch und veröffentlichten die Ergebnisse in der Zeitschrift Psycholocal Science (Jahrgang 18, Nr. 3, When God Sanctions Killing. Effects of Scriptural Violence on Aggression). Nachdem sie ihre religiösen Überzeugungen und Bindungen zu Protokoll gegeben hatten (99 Prozent der Teilnehmer aus den USA glaubten an Gott und die Bibel; 50 Prozent der Teilnehmer aus den Niederlanden glaubten an Gott und 27 an die Bibel), wurde beiden Gruppen der gleiche Text zu lesen gegeben. Es war eine Bearbeitung eines Textes aus der Autorisierten Version des Alten Testamentes, die die brutale Vergewaltigung und Ermordung einer Frau und den Aufruf ihres Mannes zur Rache an den Tätern beschreibt. Die Hälfte der Teilnehmer aus jeder Gruppe las eine Version, die einen Satz enthielt, in dem Gott seine Anhänger dazu aufruft, gegen andere zur Waffe zu greifen, die andere Hälfte erhielt eine Version ohne diesen Satz. Einer Hälfte wurde gesagt, der Text stamme aus dem Alten Testament, der anderen wurde erzählt, er komme von einer alten, von Archäologen entdeckten Schriftrolle. Nachdem sie den Text gelesen hatten, nahmen die Testpersonen an einem einfachen Reaktionstest teil, in dem jeder von ihnen gegen einen Partner von außerhalb der Testgruppe antrat. Der jeweilige Gewinner, wurde ihnen gesagt, dürfe den Partner, der verloren habe, mit einem Geräusch in der Lautstärke von Feueralarm beschallen (etwa 105 Dezibel). So wird gemeinhin Aggression gemessen. Die Forscher fanden heraus, daß die religiösen wie auch die nicht-religiösen Studenten ihre Partner dann mit einem lauteren Knall bedachten, wenn ihnen gesagt worden war, der gelesene Text stamme aus der Bibel. Die Aggressivität der Antwort war auch bei den Teilnehmern größer, die die Textversion gelesen hatten, die einen direkten Hinweis auf Gottes Aufruf zur Gewalt enthielt. Dabei war der Ansteig des Aggressionslevels jedoch bei religiösen Testpersonen stets größer als bei nicht-religiösen. „Ferner bestätigen unsere Ergebnisse frühere Forschungen, die zeigten, daß die Konfrontation mit Gewalt in Medien bewirkt, daß sich Testpersonen aggressiver verhalten, wenn sie sich mit den gewalttätigen Figuren identifizieren als wenn sie dieses nicht tun”, sagte Prof. Bushman. Das ISR wurde 1948 gegründet. Heute ist es eines der führenden Institute für Entwicklung und Anwendung sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden und arbeitet mit Sozialwissenschaftlern in 60 Ländern zusammen.
Indien: Kunststudent wegen „obszöner” Darstellung hinduistischer Götter verfolgt Am 12. Mai 2007 wurde Chandra Mohan Srilamantula (22), Student im Abschlußjahr an der Kunstfakultät der Maharaja-Sayajirao-Universität (MSU) in Vadodara (Gujarat), auf dem Universitätsgelände verhaftet, weil er malte, was Hinduextremisten für obszön hielten. Nach vier Tagen im Gefängnis wurde er unter dem Druck der Öffentlichkeit gegen Kaution freigelassen. Aber an der MSU, einer der bekanntesten Hochschulen Indiens, sind Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit noch immer in Gefahr. Chandra Mohan legte sein Kunst-Examen an der Jawaharlal Nehru University ab und erhielt für seine Werke den Lalit Kala National Akademi Award. Als Bestandteil seines Abschlussexamens stellte er seine Graphiken zusammen mit anderen Studenten im Bau der Kunstfakultät der MSU aus. Obwohl die Ausstellung nicht öffentlich war, sondern ausschließlich der internen Beurteilung durch die Kunststudenten dienen sollte, drangen Hindu-Fundamentalisten in die Kunstfakultät ein und verwüsteten die ausgestellten Kunstwerke, die Götter und Göttinnen darstellten. Der Künstler wurde persönlich angegriffen und geschlagen.
Von der Universitätsleitung gerufen, betrat die Polizei den Campus. Sie gebot jedoch nicht den Angreifern Einhalt, sondern nahm das Opfer fest. Chandra Mohan wird unter Bezug auf die Paragraphen 153A, 114, and 295 des Strafgesetzes die „Förderung von Feindseligkeit zwischen verschiedenen Gruppen auf der Grundlage von Religion, Rasse etc.” und die Verübung von Taten vorgeworfen, die den öffentlichen Frieden stören. Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert; er wurde ins Zentral-Gefängnis überführt. Dadurch ermutigt, fordert die BJP, daß alle Studenten der Fakultät suspendiert oder der Universität verwiesen werden. Der den radikalen Hindus nahestehende Vizekanzler suspendierte den Fakultätsleiter, Prof. Shivji Panikker, der Chandra Mohan öffentlich verteidigte und sich weigerte, die umstrittene Ausstellung zu schließen. Studenten und Lehrer der MSU protestieren gegen die Festnahme ihres Kollegen. Die Vereinigung der Universitätslehrer klagte den Vizekanzler an, dem Fundamentalisten-Mob das Betreten des Campus gestattet und den Fakultätsleiter suspendiert zu haben. Sie fordern die Festnahme des VHP-Schägers Neeraj Jain, der – wie Filmaufnahmen belegen - auf Chandra Mohan während dessen Festnahme eingeschlagen hatte. Jain, der später offen mit „Action” gegen die Universität drohte, sollten der Kunststudent und der Fakultätsleiter nicht verwiesen werden, läuft immer noch frei herum. Bisher wurde keine Anzeige gegen ihn erstattet. Die Indian Rationalist Association und das rationalistische Renaissance-Forum Navodhana Vedi verurteilten den Angriff auf den Künstler und verteidigten die Meinungsfreiheit. In einer Versammlung unter Vorsitz von Sanal Edamaruku wurde am 13. Mai in New Delhi eine von dem Dichter Sachdanandan eingebrachte Protestresolution gegen die Verhaftung Chandra Mohans und die skandalösen Vorgänge an der MSU verabschiedet. In Mumbai nahm der bekannte Maler Tyeb Mehta an einer Protestkundgebung vor der Kunstgallerie Jehangir teil. Die Schauspielerin Nandita Das sprach auf einer Protestdemonstration in Delhi. Dies ist nicht das erste Mal, daß Fundamentalisten in Gujarat versuchen, die Freiheit der Kunst zu strangulieren. Der international bekannte Künstler M F Hussein und seine Werke haben mehrere physische und strafrechtliche Angriffe wegen angeblich obszöner Darstellung von Hindugottheiten erlitten. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern Copyright © 2007 Rationalist International. Empfänger des Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Meldungen veröffentlichen, im Internet zugänglich machen, weiterversenden und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin Nr. 166, Copyright © 2007 Rationalist International.
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