Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Sir Isaac Newton! Zur Feier des 365. Geburtstages des Vaters von moderner Wissenschaft und Rationalismus
Der englische Physiker, Naturphilosoph und Alchemist Sir Isaac Newton ist der Vater der modernen Wissenschaft. In seiner Abhandlung Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (Die mathematischen Prinzipien der Naturphilosophie), erschienen 1687, beschrieb er die universelle Gravitation und die drei Gesetze der Bewegung und schuf damit die Grundlage der klasischen Mechanik, die die wissenschaftliche Betrachtung des physikalischen Universums während der nächsten drei Jahrhunderte beherrschte und die Basis moderner Technik darstellt. Indem er den Zusammenhang zwischen Keplers Gesetzen der Planetenbewegungen und seiner Gravitationstheorie demonstrierte, zeigte Newton, daß die Bewegungen von Objekten auf der Erde und Himmelskörpern dem gleichen System von Naturgesetzen gehorchen. Damit räumte er die letzten Zweifel am Helizentrismus aus und setzte eine wissenschaftliche Revolution ingang. Sein Konzept des Universums auf der Grundlage von verstandesmäßig begreifbaren Naturgesetzen wurde zur Saat der Aufklärung. Diese Prinzipien ließen sich von allen Menschen erkennen. Das erlaubte jedem, seine eigenen Ziele zu verfolgen, auf daß sie in diesem Leben – nicht in einem nächsten – Früchte trugen, und sich selbst kraft seines eigenen Verstandes zu vervollkomnen
Ein Jahr rationalistischer Erfolge Das Jahr 2007 hat einige willkommene Veränderungen gebracht. Die Haltung, Religion und Irrationalität zurückzuweisen und auf den Vorrang der Vernunft zu bestehen, hat in vielen Teilen der Welt beachtlich an Anziehungskraft und öffentlicher Anerkennung gewonnen. Die allgemeine Sensibilität gegenüber Verletzungen der Meinungsfreiheit und der Freiheit des Privatlebens hat zugenommen. Langsam scheint sich das Klima zu ändern. Mut erweist sich als ansteckend. Dunkle Schatten beginnen zu weichen. Die drei im folgenden dargestellten Entwicklungen zeigen einen ermutigenden internationalen Trend. Die neue atheistische Revolution
Richard Dawkins, Britisher Biologe, Professor für das öffentliche Verständnis der Wissenschaft an der Oxford-Universität und Ehrenmitglied der Rationalist International, hat in Europa und den USA eine frische und starke Atheistenbewegung ausgelöst. Sein Buch “Der Gotteswahn” [The God Delusion], erschienen 2006, halt sich hartnäckig an den Spitzen internationaler Bestsellerlisten. Bis November 2007 wurden allein von der englischen Ausgabe 1.25 Millionen Exemplare verkauft. “Der Gotteswahn” wurde mit Begeisterung von vielen Tausend angehenden und heimlichen Atheisten begrüßt, die auf die klare und furchtlose Stimme der Vernunft gewartet hatten, um den letzten Schritt zu tun und sich zu ihrem Atheismus zu bekennen. Richard Dawkins ist heute das Gesicht eines sehr überzeugenden und selbstbewußten Atheismus - und einer der begehrtesten öffentlichen Redner und Talkhow-Gäste der westlichen Welt. “Der Gotteswahn” enthält vier “bewußtseins-schärfende” Botschaften, schreibt Dawkins: 1. Atheisten können glücklich, ausgeglichen, moralisch und intellektuell erfüllt sein. 2. Natürliche Selektion und ähnliche wissenschaftliche Theorien sind der “Gottes-Hypothese” – der Illusion von Schöpfung oder “Intelligent Design” – bezüglich der Erklärung von lebender Welt und Kosmos überlegen. 3. Man sollte Kindern nicht das Etikett der Religion ihrer Eltern aufkleben. Jeder sollte vor Ausdrücken wie “katholisches Kind” oder “muslimisches Kind” zurückschrecken. 4. Atheisten sollten stolz sein, sich nicht entschuldigen, denn Atheismus ist Beweis eines gesunden und unabhängigen Verstandes. Dawkins Buch steht nicht allein. Es führt eine internationale Armada anti-religiöser Bestseller an. Die prominentesten unter ihne: “God Is Not Great” von Christopher Hitchens (ebenfalls ein Ehrenmitglied der Rationalist International) und “Letter to a Christian Nation” von Sam Harris. Die “Neuen Atheisten” provozierten reichlich akademischen Kommentar, der sich in zahlreichen Büchern niederschlug - von Atheisten sowohl als von Theisten. Die prominenteste Reaktion kam von Papst Benedikt, der sich gegen Ende November mit der Enzyklika “Spe Salvi” (auf Hoffnung hin gerettet) an die gesamte katholische Christenheit wendete. Darin greift er den Atheismus als ein in “wahrer Falschheit” begründetes Konzept an, das “zu größten Exzessen von Grausamkeit und Verletzungen von Gerechtigkeit” geführt habe. “Laßt es uns auf einen einfachen Nenner bringen”, betont er: “Der Mensch braucht Gott, sonst bleibt er ohne Hoffnung”. Des Paptes zitternde Stimme voller Furcht und mutwilliger Lügen spricht für den Erfolg der “Neuen Atheisten”, die ihn dermaßen in die Enge getrieben haben, daß er mit seiner Enzyklika versuchen mußte, sein Gesicht und seine Herde zu wahren. Die Ex-Muslim-Bewegung unter europäischen Immigranten
Im Februar 2007 ergriff Mina Ahadi eine mutige Initiative. Die im Iran geborene Menschenrechtlerin, nun in Deutschland lebend, gründete den “Zentralrat der Ex-Muslime”, um dem mächtigen “Zentralrat der Muslime” in Deutschland etwas entgegenzusetzen. Gegenwärtig leben mehr als 13 Millionen Immigranten aus muslimischen Ländern in Europa. Viele von ihnen sind keine praktizierenden Muslime und wollen dem autoritären Regime des Islam entkommen, das ihr Heimatland regiert. Aber die religiöse Tyrannei holt sie ein, denn nun werden sie von mächtigen religiösen Organisationen repräsentiert und regiert, die in ihrem Namen mit den europäischen Behörden verhandeln und sie in das traditionelle Leben der religiösen Gemeinden pressen. Nur wenige wagen auszubrechen. Wer dem Islam abschwört, kann in Ländern wie Saudi-Arabien, Afghanistan, Pakistan, Iran und Sudan immer noch zum Tode verurteilt werden. Und sogar in Europa gibt es genügend Fundamentalisten, die bereit sind, Abtrünnige im Namen Allahs zu töten. Mina Ahadi startete zusammen mit etwa dreißig Mitkämpfern eine wagemutige Kampagne. Unter dem Motto “Wir haben abgeschworen!” veröffentlichten sie ihre Fotos und persönlichen Erklärungen – und bekamen innerhalb weniger Tage hunderte von Mitgliedern. Todesdrohungen und die Notwendigkeit von Polizeischutz verdarben Ahadi nicht den Optimismus. “Wir wollen eine neue Bewegung schaffen, auch in anderen europäischen Ländern. Wir hoffen, daß wir bald 10.000 sein werden und noch viel mehr repräsentieren”, sagte sie. Inzwischen gibt es Zentralräte der Ex-Muslime in Deutschland, England, Holland und einigen skandinavischen Ländern. Die Mitgliedszahlen steigen schnell. Mariyam Namazie, im Iranian geborene britische Rundfunksprecherin und Ehrenmitglied der Rationalist International, steht der Londoner Dach-Organisation vor. Sie ist davon überzeugt, daß die “Ex-Muslime” innerhalb der europäischen Muslime eine schweigende Mehrheit darstellen. “Die Leute, die Mitglieder werden, sind nur die Spitze des Eisbergs”, sagt sie. “Viele Leute rufen uns an und sagen, sie würden gern Mitglieder werden, haben aber Angst oder sind eingeschüchtert.” Aber Mut ist schließlich ansteckend. Indien: Rationalistische Volkserziehung per Fernsehen
Während der vergangenen Jahre hat die indische Faszination für Wunder die stetig wachsende Szene der privaten Fernsehsender ergriffen, die im Wettstreit um die höchsten Zuschauer-Raten liegen. Insbesondere einige hindi-sprachige Sender, die die ungebildeten Massen der Landbevölkerung anzusprechen suchen, entwickelten sensationalisierte “Wunder-Berichte”, die Millionen von Menschen an ihre Fernseher klebten, um die bizarren Aufführungen von unbekannten übernatürlichen Kräften, Geistern und “Gott-Menschen” zu beobachten. Die Indian Rationalist Association zog unermüdlich gegen diese massive Bestärkung von Irrationalität und Aberglauben zu Felde und griff unverantwortliche Wunder-Verbreiter in den Medien an. Der Kampf hatte Erfolg. Seit 2006 versuchten immer mehr Sender verantwortlicher mit dem Thema umzugehen – ohne dabei ihre Zuschauer-Raten aufs Spiel zu setzen. Sie entschieden sich dafür, Wunder zu zeigen – bezogen aber den rationalistischen Standpunkt in ihre Programme ein. Sanal Edamaruku wurde ein regelmäßiger Studiogast und begleitender Kommentator all der farbenprächtigen Blüten des Obskuren, die Aberglaube in Indien zu treiben pflegt. Das Ergebnis: viele Shows verwandelten sich in äußerst effective Aufklärungsprogramme. Mit der Zeit bildete sich eine einzigartige Form unmittelbarer Untersuchung und Aufklärung von angeblich übernatürlichen Phänomenen heraus, die durch direkte Interaction zwischen dem ermittelnden Rationalisten im Studio und dem Personal einer weit entfernten dörflichen Wunderszenerie zustandekam. Rationalistische Erziehung erlebte eine immense Vergrößerung ihrer Reichweite – und erwies sich als sehr popular. In vielen Programmen konnten die Zuschauer im Studio anrufen und direct mit Edamaruku sprechen. Einige Sendungen fanden wegen überwältigender Beteiligung kein Ende und mußten über mehrere Stunden fortgesetzt werden bis Mitternacht. Im Jahre 2007 war Sanal Edamaruku in insgesamt 132 Fernsehprogrammen in allen nationalen hindi-sprachigen Sendern wie Zee TV, Star News, Sahara Network, Janmath, India TV, Aaj Tak, IBN7 and MH1 zu sehen und nahm an zahlreichen Diskussionssendungen englisch-sprachiger Sender wie NDTV, CNN-IBN, Headlines Today and Times Now sowie an Programmen in Malayalam- und Telugu-Sendern teil. Er trat “Gottmenschen”, Astrologen, Wunderheilern, Bischöfen, bigotten Politikern und einem “Regressionstherapeuten” aus den Niederlanden entgegen – oft sehr zu deren Mißvergnügen und professionellem Schaden. Er bot logische und wissenschaftliche Erklärungen wie Steine schwimmen und steinerne Statuen “wachsen” oder ihre Farbe verändern können, wie Bäume “bluten”, Seewasser süß schmeckt, Statuen des Affengottes Hanuman und der Mutter Maria “weinen”, wie Gesichter an Hauswänden und in gewissen Gemüsen erscheinen und wie sich Brot in einem verschlossenen Kasten verdoppeln kann, wie Blumengirlanden über Heilgenbildern “wachsen” und sich Sandalen ganz von selbst bewegen. Er gebot den Streichen bösartiger “Poltergeister” Einhalt, die Kleider verbrennen und Schwiegermütter erschrecken. Er “erlöste” verwunschene Schlangenmädchen und Reinkarnationen und half einem 14-jährigen Dorfjungen, der sich scheinbar in einen amerikanischen Physikprofessor verwandelt hatte, sich wieder an seine Muttersprache Hindi und an seine unglückliche Kindheit zu erinnern. Gewisse Wunder fielen auch einfach aus, wenn Edamarukus Teilnahme in einem entsprechenden Fernsehprogramm angekündigt war. So verdarb er Sai Baba sein jüngstes grosses Wunder. Der “Gottmann” hatte bereits vorhergesagt, daß sein Gesicht des nachts im Mond erscheinen werde, und bewegte sich mit Tausenden seiner Getreuen und vielen Kamera-Teams zum Flughafen von Puttapartli, um die wunderbare Erscheinung zu zelebrieren. Doch weniger als eine Stunde nachdem Zee TV ankündigte, das Ereignis in einer Life-Show mit Sanal Edamaruku zu begleiten, machte des Gottes Luxusautoflotte plötzlich kehrt, die Menschenmenge wurde nach Hause geschickt und die Mondschau auf unbestimmte Zeit vertagt. Angeblich hatte man zu viele Wolken im klaren Himmel entdeckt. Zur portugiesischen und spanischen Ausgabe des Bulletins Wir freuen uns ankündigen zu können, daß das Bulletin der Rationalist International von nun an auch eine Ausgabe in portugiesischer Sprache haben wird. Portugiesisch wird von mehr als 250 Millionen Menschen in Brasilien, Portugal, Angola, Cabo Verde, Mosambik, Ost-Timor, der Madeira-Insel usw. gesprochen. Wir begrüßen Octavio C. Botelho als Übersetzer der portugiesischen Ausgabe in unserem Übersetzerteam. Octavio lebt in Uberlandia zwischen Sao Paulo and Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens. Nach kurzer Unterbrechung ist nun auch unsere spanische Ausgabe wieder aktiv. Neue Übersetzer fuer Spanisch sind sind Carlos Zacarías aus Mexico and Heber Rizzo aus Uruguay, die wir ebenfalls herzlich im Übersetzerteam willkommen heißen. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern Copyright © 2007 Rationalist International. Empfänger des Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Meldungen veröffentlichen, im Internet zugänglich machen, weiterversenden und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin Nr. 168, Copyright © 2007 Rationalist International.
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