RATIONALIST INTERNATIONAL

Bulletin Nr. 174 (25. April 2008)

http://www.rationalistinternational.net

IN DIESER AUSGABE

Sanal Edamaruku entlarvt “New-Age-Hypnose-Guru” Sivanand live im Fernsehen

Sanal Edamaruku entlarvt “New-Age-Hypnose-Guru” Sivanand live im Fernsehen
Klicken Sie dieses Bild an und sehen Sie einen Video-Clip des Programms
(mit englischen Untertiteln)

Nach der “Grossen Tantra Herausforderung” war ein New-Age-Guru dran. Am Abend des 15. Maerz 2008 lud India TV “Hypnose-Guru” Sivanand fuer eine Show ein. Sanal Edamaruku wurde plangemäß zunächst im Zuschauerraum postiert.

Nachdem das Publikum mit einem Video voll verwirrender Bilder, Pendelschwingen und psychedelischer Musik angewärmt war und künstlicher Rauch von beiden Seiten des Podiums aufstieg, began Hypnose-Guru Sivanand seine Show. Als er Sanal in der ersten Reihe entdeckte, wies er sicherheitshalber vorab darauf hin, daß seine Hypnose nicht Tantra oder Mantra sei, sondern ein neuzeitlicher, wissenschaftlicher Weg, im Handumdrehen Stärke und Stamina zu erwerben. Sie mache intelligent, clever und physisch stark, beteuerte der Guru. Seine Kunden pflegten innerhalb von Sekunden nach seiner Hypnose Stärke und Intelligenz zu zeigen.

Dann wählte er zwei Freiwillige für seine Vorführung aus dem Publikum – eine junge Frau und einen jungen Mann, beide in den Zwanzigern. Der Hypnose-Guru berührte ihre Stirn und forderte sie auf, sich zu entspannen und in tiefen Schlaf zu fallen. Er zählte bis drei, und schon sah man die beiden schlafen. Sie schliefen im Stehen, bis er sie auf zwei Stühle drückte. Von nun an sprach er – rasch von einem zum anderen umschaltend – mal zum Moderator, mal zum Publikum und mal zu seinen Subjekten. Sehr bald wurde die Frau zum alleinigen Zentrum der Aufmerksamkeit, während sich die Rolle des Mannes darauf beschränkte, während des gesamten Programms als schlafendes Dekorationsstück auf der Bühne zu sitzen.

Seine Kunden, erklärte der Hypnose-Guru, kämen zu ihm, Stärke und Selbstsicherheit zu bekommen, Spannungen zu verlieren und Willenskraft und Kontrolle über ihr Denken zu entwickeln; er habe eine Erfolgsrate von neunzig Prozent. – Zwischen den einzelnen Sätzen wandte er sich an die Frau mit Befehlen wie: “Sie werden starkerů und starkerů jetztů eins, zwei, drei”, “Machtů Macht” usw. Nach einiger Zeit forderte er sie auf, ihren Arm zu heben, und sie tat es. Sie schien klar zu verstehen, welche unter all seinen Sätzen für den Moderator, welche für das Publikum und welche fuer sie bestimmt waren. Der Hypnose-Guru erlaubte sogar dem Moderator, mit der Schlafenden zu sprechen und sie zu bitten, über ihre Erfahrungen mit Meer und Bergen zu erzählen - und wirklich, sie tat es!

Dann kam der Hypnose-Guru zum Grand Finale. Die Frau wurde flach auf zwei Stühle gelegt, so daß der mittlere Teil ihres Körpers gerade und ohne Unterstützung blieb. Das war sein ultimativer Beweis: “Das ist nur unter Hypnose möglich!” erklärte er triumphierend, denn Hypnose könne ungeahnte Fähigkeiten des menschlichen Körpers freisetzen. Um seinen Erfolg zu krönen, rief er einen Jungen aus dem Publikum und forderte ihn auf, hinaufzuklettern und sich vorsichtig auf ihre Oberschenkel zu stellen. Sie blieb stabil. Nach einer halben Minute wurde der Junge heruntergehoben.

In diesem Moment trat Sanal Edamaruku auf das Podium und verkündete: “Dies hat nichts mit Hypnose zu tun! Das ist eine normale Fähigkeit des menschlchen Körpers, und ich kann Ihnen die selbe Übung ohne alle Hypnose zeigen!” Auf seine Bitte stellte sich ein mittelalter Mann für die Vorführung zur Verfügung. Sanal positionierte ihn auf drei Stühlen, den ersten für seinen Kopf, den zweiten für seine Hüfte und den dritten für seine Beine. “Haben Sie Selbstvertrauen!” sagte Sanal zu ihm und zog den mittleren Stuhl weg, der unter seiner Hüfte gestanden hatte. Zum allgemeinen Erstaunen blieb der Mann stabil und fiel nicht runter. “Er ist nicht hypnotisiert”, sagte Sanal. Menschliche Hüften haben diese Stärke, wir brauchen nur etwas Selbstvertrauen, um auf zwei Stühlen zu liegen ohne herunterzufallen.”

Dann bat Sanal den gleichen Jungen, auf den Oberschenkeln des Mannes zu stehen. Ja, es funktionierte ohne Hypnose. Der Mann fiel nicht runter. Er gab an, er fühle sich gut. Das Publikum reagierte spontan mit großem Beifall. Mehr Leute wollten es versuchen. Und während das Spiel weiterging, nannte Sanal Edamaruku seine Beweise dafür, daß der Hypnose-Guru ein Scharlatan war.

Erstens gab es eine lange Liste von Mängeln und Fehlern in seiner “Hypnose”, die medizinischen Erkenntnissen und Erfahrungen widersprachen und bewiesen, daß seine Vorführung ein Drama war. Ein Psychiater im Publikum bestätigste diese Beobachtung und fügte noch einige Punkte hinzu. Und zweitens, fuhr Sanal Edamaruku fort, war das Subjekt der Vorführung nicht - wie vorgegeben – rein zufällig ausgewählt, sondern dem Guru wohl bekannt. Sie war auf diese Show vorbereitet worden und spielte Theater. Sanal Edamaruku und einige andere waren vor Beginn des Programms Zeugen geworden, wie die allzu begeisterte junge Frau einige Freunde anrief und ihnen stolz “ihre Show” ankündigte. Darüberhinaus hatten sie ihren Telefongesprächen entnehmen können, daß sie eine Amateur-Schauspielerin war, die gerade die Aufnahmeprüfung der Schauspielschule Neu Delhi bestanden hatte!

Hypnose-Guru Sivanand hatte keinerlei medizinische oder psychiatrische Ausbildung und praktizierte seine Quacksalberei an mehreren Tausend Menschen im Jahr.

Obwohl das zweieinhalb-stündige Programm hier endete, wollten die Zuschauer nicht nach Hause gehen, sondern drängten sich um Sanal Edamaruku, um ihm zur Überführung des Scharlatans zu gratulieren und ihn mit vielen, vielen Fragen zu bormbardieren, die sie schon immer hatten stellen wollen, aber nie gewußt hatten, wem sie sie stellen konnten.

Italien: Padre Pios kleines Geheimnis

Aus Anlaß des 40. Todestages von Pade Pio - inzwischen der Heilige Pio von Pietrelcina – wird z.Z. sein Leichnam in einem Glas-Sarg in seinem Kloster San Giovanni Rotondo in Puglia, Süditalien, ausgestellt. 700,000 Pilger haben vorgebucht, um einen Blick auf den Heiligen zu werfen, der – wie er behauptete - die blutendern Wunden Jesu trug. Die Pilger könnten enttäuscht sein: von den berühmten Stigmata an seinen Händen und Füßen ist keine Spur mehr zu sehen, obwohl seine Haut noch intakt ist.

Padre Pio hatte ein kleines Geheimnis. Er pflegte seine heiligen Wunden selbst zu kreieren – mit Karbol-Säure. Er war ein “unwissender und zur Selbstverstümmelung neigender Psychopath, der die Gutgläubigkeit der Leute ausnutzte”, sagt der Gründer von Roms Katholischem Universitätskrankenhaus. Der Historiker Sergio Suzette kam Padre Pio im vergangenen Jahr auf die Schliche. Seine Forschung stützte sich auf ein Dokument, das er im Vatikan-Archiv fand. Es war die Zeugenaussage einer Apothekerin von San Giovanni Rotunda, von der der Padre Säure bezogen hatte. Er hatte ihr eröffnet, daß er diese zur Sterilisierung von Nadeln brauchte und sie zum Stillschweigen darüber verpflichtet. Während des Prozesses seiner Beatifikation war dieses Dokument geprüft, aber zurückgewiesen worden. Der Vatikan war offenbar nicht geneigt, sich ein großartiges Wunder verderben zu lassen. Im übrigen war der damals amtierende Papst Johannes Paul II in seinen jungen Jahren selbst unter den Pilgern gewesen, die den langen Weg nach Puglia wanderten, um Padre Pios Segen zu empfangen.

Amnesty-Film über die Foltermethode “Waterboarding”

Amnesty Internationals neuer Kurzfilm “Stuff of Life” zeigt, was der CIA uns nicht sehen lassen will: den Schrecken von “Waterboarding”.

“Waterboarding” ist eine der “erweiterten Verhör-Techniken”, die vom CIA praktiziert werden. Es bedeutet, daß ein Gefangener beinahe ertränkt wird, indem man seinen Kopf zurücklegt und ihm Wasser in Nase und Mund gießt. CIA-Vertreter haben kürzlich zugegeben, daß ihre ausführenden Beamten “Waterboarding” in geheimen Verhören von Gefangenen angewendet haben, die im Zusammenhang mit dem “Krieg-gegen-Terror” deterniert worden waren. Es kam heraus, daß Video-Aufnahmen solcher CIA-Verhöre zerstört wurden. Dies setzte eine intensive Debatte über Folter von Gefangenen in Gang. President Bush blockierte kürzlich einen Gesetzesentwurf mit seinem Veto, der “Waterboarding” und andere Foltertechniken verboten hätte.

“Unsere Filmmacher haben das für ein paar Sekunden wirklich getan”, sagte Kate Allen, Direktor der britischen Gruppe von Amnesty. “Sogar für diese paar Sekunden ist es schrecklich zuzuschauen. Die Wirklichkeit, in einem geheimen Gefängnis, wo niemand da ist, es abzubrechen, ist es viel, viel schlimmer.”

Der Kurzfilm wird ab 9. Mai in britischen Kinos gezeigt. Sie können ihn jetzt im Internet ansehen unter www.unsubscribe-me.org

Dänemark: Kindesmißbrauch in "Faderhuset" aufgedeckt

Die Insel Lolland, die viertgrößte Insel Dänemarks, hat Ermittlungen gegen die religiöse Sekte “Faderhuset" (Vaterhaus) eingeleitet, nachdem ehemalige Mitglieder über Fälle von Kindesmißbrauch berichteten. Die Zeugen machten ihre Aussagen in zwei Fernsehsendungen, in “21 Søndag” des Staatsfernsehens DR und in einem Programm von TV Avisen.

Zeugen in '21 Søndag’ berichteten, daß ein dreijähriges Mädchen der Führerin von “Faderhuset", Ruth Eversen, anvertraute, daß ihr Vater Gegenstände in ihr Rektum eingeführt habe – was von der Mutter des Kindes bestätigt wurde. Eversen weigerte sich, dem Mädchen zu glauben und klagte sie stattdessen an, von Dämonen besessen zu sein. Die Zeugen gaben an, Eversen habe ihnen verboten, in der Angelegenheit zur Polizei zu gehen.

Die “Faderhuset"-Sekte, die 2006 das frühere Jugendzentrum Ungdomshuset erworben hatte, hat seither auf Lolland mehrere Immobilien gekauft. Ein Teil der Finanzierung wurde dabei von christlichen Sekten des amerikanischen “Bible Belt' geleistet.

In einem anderen Programm, ausgestrahlt von TV Avisen, gaben mehrere ehemalige Mitglieder an, die Sekte führe in ihren Zusammenkünften “Gehirnwäsche” durch. Die Psychologin Lotte Christiansen berichtete TV2, daß mehrere frühere “Faderhuset”-Mitglieder bei ihr in Behandlung seien und daß sie diese Behauptungen belegten. “Sie brechen den freien Willen der Leute, indem sie ihnen systematisch diktieren, was sie zu tun haben”, sagte Christiansen. “Und wenn die Mitglieder nicht tun, was von ihnen erwartet wird, dann sagen sie ihnen, daß sie in die Hölle kommen und drohen ihnen mit verschiedenen Strafen.” Viele der Opfer sind depressiv, selbstmordgefährdet und unfähig, enge Beziehungen einzugehen. Voller Wut und Furcht, haben sie alle Hoffnung in die Zukunft verloren, sagte sie.

Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern


Copyright © 2008 Rationalist International. Empfänger des Rationalist International Bulletins dürfen dessen Artikel und Meldungen veröffentlichen, im Internet zugänglich machen, weiterversenden und reproduzieren, wenn sie dabei die Quelle angeben: Rationalist International Bulletin Nr. 174, Copyright © 2008 Rationalist International.