Indische Rationalisten fordern Rückzug des indischen UN-Generalsekretär-Kandidaten

Saibaba-Mann Shashi Tharoor ist ein eingeschworener Propagandist des Obskurantismus, sagt Sanal Edamaruku

Sanal Edamaruku
Sanal Edamaruku

UN-Generalsekretär Kofi Annan wird in diesem Jahr seinen Posten aufgeben, und Indien hat Shashi Tharoor, einen Schriftsteller und Karriere-Diplomaten in der UN, als seinen Kandidaten für das Amt nominiert. Sanal Edamaruku fordert im folgenden Artikel die Rücknahme von Tharoors Kandidatur. Bitte veröffenlichen Sie den Artikel und reproduzieren Sie ihn in Ihren Webseiten und Zeitschriften und nehmen Sie Teil an unserer weltweiten Aufklärungskampagne über die Gefahren, falls Shashi Tharoor UN-Generalsekretär werden sollte.

 

Indien sollte die Nominierung Shashi Tharoors zurückziehen

Sanal Edamaruku

Präsident, Rationalist International

Präsident, Indian Rationalist Association

Ich bin schockiert zu hören, daß die Indische Regierung Shashi Tharoor als ihren Kandidaten für den Posten des UN-Generalsekretärs nominiert hat. Shashi Tharoor ist - entgegen seines sorgfältig kultivierten Image als ein verbindlicher und ausgewogener Intellektueller - ein hardgesottener Propagandist von Obskurantismus, Wunder- und Aberglaube aller Art, der keine Gelegenheit ungenutzt läßt, seine Stimme in den internationalen Medien zugunsten angeblicher übernatürlicher Erscheinungen und zum Lobe von "Gottmenschen" (Godmen) und Wunderhubern zu erheben.

Indien hat guten Grund, sich eines Shashi Tharoors und seiner Bekenntnisse zu schämen. Ein fortschrittliches und vorwärtsblickendes Land, das eine Führungsrolle in der modernen Welt anstrebt, würde sich einen Bärendienst erweisen, wenn es einen Mann für höchste internationale Positionen vorschlägt, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Unwissenheit und Leichtgläubigkeit zu fördern - eben die Geißeln, die Indien jahrhundertelang niedergehalten haben. Die Indische Verfassung hat eine wissenschaftliche Geistesausrichtung zur Grundpflicht aller Bürger erhoben. Wie kann Indien da einen Mann für den höchsten UN-Posten nominieren, der Wissenschaftler und Rationalisten verspottete, indem er den Wahn der Milch-trinkenden Statuen des Gottes Ganesh von 1995 als tatsächliches Wunder verteidigte?

Als Medien in aller Welt die Entlarvung des indischen "Gottmenschen" Saibaba präsentierten und sowohl seine sogenannten Wunder als auch sein schändliches Verhalten gegenüber vielen jungen Anhängern in Fernsehaufnahmen dokumenmtiert waren, distanzierte sich die UNESCO von Saibaba und kündigte ein gemeinsames Projekt mit ihm auf. Shashi Tharoor jedoch zögerte nicht, dem "Gottmenschen" zu Hilfe zu eilen, indem er in internationalen Zeitungen sein Lob sang. Im International Harald Tribune (vom 3.Dezember 2002) erklärte Tharoor, Saibabas Taschenspielertrick "heilige Asche prodizieren" sei ein Wunder. Er bestätigte, daß Saibaba tatsächlich Geschenke für seine Anhänger aus der Luft materialisiere und brüstete sich damit, daß er selbst der Empfänger eines Goldringes mit neuen eingearbeiteten Steinen sei. Das Geheimnis der Zauberei des angeblichen Gottmenschen war längst von Rationalisten aufgeklärt, und seine betrügerischen Kunststückchen waren von Fernsehkameras während der Tat festgehalten und in Fernsehdokumentationen rund um die Welt vorgeführt worden. Aber Shashi Tharoor blieb sein standhafter Verteidiger.

Im gleichen Artikel, der in der gesamten westlichen Welt zirkulierte und stolz in Tharoors persönlicher Website reproduziert ist, bringt er auch seine Haltung gegenüber Indien zum Ausdruck:

In den fünfziger Jahren erklärte Premierminister Jawaharlal Nehru, daß Dämme und Fabriken 
"die neuen Tempel des modernen Indiens" seien. Was er nicht begreifen konnte, war, daß die 
alten Tempel die indische Vorstellungskraft weiterhin in ihrem Griff behielten. 
Die Software-Programme der neuen Informations-Technologie-Firmen, die in Bangalores "Silicon-Ebene"
verstreut liegen, mögen die neuen Zauberformeln (Mantras) Indiens sein, aber sie ergänzen 
die alten Mantras eher als daß sie sie ersetzten.... Saibaba und Infosys sind in der Tat 
symbolisch für ein Indien, daß es irgendwie schafft, in mehreren Jahrhunderten zugleich zu leben.
					

Alle aufgeklärten und fortschrittlich denkenden Inder werden es als Schande empfinden, wenn jemand, der solch düstere Ansichten über Indien hegt und sie mit Arroganz propagiert, als Indiens nominierter Kandidat für das höchste UN-Amt antreten kann. Shashi Tharoor begrenzt seine Wunderhuberei nicht auf seinen Gott Saibaba allein. In einem anderen Artikel schreibt er über eine andere "heilige" Gestalt:

Sie ging dazu über, in gekreuzigter Position zu stehen, und Blut erschien spontan auf ihren 
Händen und Füßen - die Wundmale der christlichen Lehre. Wie die heilige Teresa von Avila 
Jahrhunderte zuvor, erlitt sie Schübe, während derer sie in der Luft schwebte. Nachbarn 
pflegten freitags in die Wohnung ihrer Familie zu kommen, um sie in gekreuzigter Position 
hoch oben an der Wand schweben zu sehen.
					

Shashi Tharoors Nominierung muß zwangsläufig peinlich für Indien werden, da er ein artikulierter und bekennender Förderer von Aberglauben ist und damit die wissenschaftliche Ausrichtung der indischen Politk, wie sie in der Verfassung niedergelegt ist, dem Gespött preisgibt. Falls er UN-Generalsekretär werden sollte, wird er auch dem Ruf der hoch respektierten Weltorganisation Schaden zufügen.

Ich fordere die Indische Regierung auf, die Nominierung Shashi Tharoors zurückzuziehen.

Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern