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Indien: Ärger mit Tsunami-Bischöfen in Tamil Nadu Der südindische Staat Tamil Nadu dürfte die weltweit größte Anzahl von Kirchen pro Kopf der Bevölkerung haben. Obwohl sich nur eine kleine Minderheit der Einwohner Chrsiten nennen, sollen angeblich - sage und schreibe - 1500 Kirchen in der Vereinigung Unabhängiger Kirchen Indiens in Chennai (früher: Madras) vertreten sein. Die meisten von ihnen gehören in die große und immer weiter wachsende Gruppe der evangelschen Kirchen, die im Ausland gegründet sind und von dort unterstützt werden. Einige von ihnen sind anglikanisch oder orthodoxe Splittergruppen. Viele sind Pentekostel-Gruppen unterschiedlicher Abstammung. Sie haben Namen wie Calvari Mission Trust oder Halleluyah Full Gospel Missionaries of India. Obwohl recht winzig und weitgehend unbekannt, haben viele dieser unabhängigen Kirchen ihre eigenen Bischöfe. Niemand weiß genau, wieviele Robenträger herumlaufen, wer sie angestellt hat und wer sie bezahlt. Seit einiger Zeit ziehen eine steigende Anzahl dieser “heiligen Männer” die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich. Während der vergangenen drei Monate wurden mehrere Fälle von Betrug gegen Priester und Bischöfe registriert, die vorgaben, Häuser für Tsunami-Opfer und Arme zu bauen, und dabei die Öffentlichkeit um große Summen prellten. Zwei Bischöfe des Moulin Mission Trust in Mahabalipuram und des Calvari Mission Trust in Vellore wurden festgenommen. Sie werden angeklagt, mehrere hundert Millionen Rupees von Vertragsfirmen erschwindelt zu haben. Sie kassierten hohe Kautionen von ihnen, nachdem sie ihnen Aufträge für Hausbauprojekte für Tsunami-Opfer versprachen. Einige weitere Bischöfe, die den gleichen Trick anwendeten, konnten sich bisher der Verhaftung durch Untertauchen entziehen. Die meisten der unabhängigen Kirchen tauchten nach der Tsunami-Katastrophe auf und fielen in die geschädigten Gebiete ein. Das Phänomen, daß Bischöfe Einheimische betrügen, markiert die zweite Welle der Ausbeutung. Die erste flutete die Konten der neuen Kirchen mit fetten Spenden von ausländischen Sponsoren. Das Tsunami-Unglück brachte die größte Spendenwelle der Geschichte ins Rollen. Weltweit wurden - aus Staatskassen wie privaten Portemonaies - mehr als 12 Milliarden Dollar gesammelt. Der größte Teil dieser Gelder fiel in die Hände von NGOs aller Provenience, unter ihnen Tausende von ad hoc geschaffenen religiösen Organisationen. Viele dieser kleinen Kirchen sammeln noch immer Geld für Häuser für Tsunami-Opfer. Die Häuser – falls sie denn überhaupt welche gebaut haben – entsprechen oft nicht den Bedürfnissen der Opfer. So baute z.B. die Evangelische Kirche Indiens (Evangelical Church of India, ECI) ohne offizielle Genehmigung in Cuddalore siebzig Einzimmer-Hütten, die schlechterdings nicht bewohnbar waren und sofort von der Polizei versiegelt wurden, da Einsturzgefahr bestand. Diese Ruinen dienten offensichtlich ausschließlich dem Zweck, große glänzende Schilder zu tragen, deren Aufschrift stolz verkündete: “Dieses Haus ist ein Geschenk der Providence Baptist Church, NC, USA, übergeben vom ECI-Wohltätgkeits-Team”. In ähnlicher Weise spendete World Vision, evangelischer Empfänger der größten Unterstützungsgelder der US-Regierung, den Fischern von Nagapattinam eine Flotte neuer und farbenfroher Boote, die sich als vollkommen untauglich für den Gebrauch auf See erwiesen und nach wenigen Tagen von den enttäuschten Empfängern aufgegeben wurden. Dies sind nur zwei von 160.000 Fällen, die von Rechtsanwälten des Tsunami-Komittees Legal Action gesammelt wurden. Nur ein kleiner Teil von ihnen konnte bis jetzt vor Gericht gebracht werden. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern |