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Deutschland: "Wir haben abgeschworen!"

"Zentralrat der Ex-Muslime" gegründet

Mina Ahadi
Mina Ahadi

Mina Ahadi, Menschenrechtskämpferin aus dem Iran, hat in Deutschland den "Zentralrat der Ex-Muslime" gegründet. Zusammen mit 29 anderen Immigranten, die sich offen vom Islam distanzieren - viele von ihnen Frauen -, will sie damit all denjenigen Hilfestellung leisten, die den Wunsch haben, sich vom Islam zu befreien. Die Organisation hat ihren Sitz in Köln. Der Name spielt auf den "Zentralrat der Muslime" an, der mit etwa 800.000 Mitgliedern die größte islamische Organisation in Deutschland darstellt. Gegenwärtig leben in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen, die in islamischen Gesellschaften geboren wurden. Viele von ihnen haben eine säkulare, nicht-religiöse Einstellung, sagt Mina Ahadi. Aber sie haben in Deutschland keine Stimme. Muslimische Organisationen maßen sich an, im Namen aller Immigranten aus islamischen Ländern zu sprechen und wollen das Privatleben aller mit ihren Anschauungen reglementieren, selbst wenn sie nicht ihre Mitglieder sind. Und die deutschen Behörden akzeptieren das. Ahadi will den Nicht-Religiösen eine Stimme geben und ein Gegengewicht zu den Muslimorganisationen schaffen.

Im Februar begannen die "Ex-Muslime" unter dem Motto: "Wir haben abgeschworen" eine mutige Kampagne, in der sie Fotos und persönliche Stellungnahmen ihrer Mitglieder veröffentlichten. Das brachte innerhalb weniger Tage mehrere hundert Mitgliedsanträge ein. Inzwischen mußte Mina Ahadi unter Polizeischutz gestellt werden. Seit Gründung des "Zentralrates" erhielt sie Todesdrohungen. In Ländern wie Saudi-Arabien, Afghanistan, Pakistan, Iran und Sudan steht auf Absage an den Islam noch immer die Todesstrafe. Und selbst in Europa sind genügend Fundamentalisten bereit, Abtrünnige im Namen Allahs zu töten.

Die Todesdrohungen gegen sie haben Mina Ahadis Optimismus nicht trüben können. "Wir wollen eine neue Bewegung schaffen", sagt sie, "auch in anderen europäischen Ländern. Wir hoffen, daß wir schon bald Zehntausende sind und noch weit mehr Menschen repräsentieren."

Mina Ahadi ist auch die Gründerin des Internationalen Komitees gegen Steinigung und des Internationalen Komitees gegen die Todesstrafe. Sie floh nach Europa, nachdem ihr Ehemann als politischer Aktivist im Iran hingerichtet wurde - an ihrem gemeinsamen Hochzeitstag.

Vizepräsidentin des "Zentralrates" ist die gebürtige Türkin Arzu Toker, Autorin und ehemaliges Mitglied des Westdeutschen Rundfunk-Rates. Der "Zentralrat der Ex-Muslime" wird von der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung in Deutschland unterstützt.

Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern