Indien: Kunststudent wegen „obszöner” Darstellung hinduistischer Götter verfolgt Am 12. Mai 2007 wurde Chandra Mohan Srilamantula (22), Student im Abschlußjahr an der Kunstfakultät der Maharaja-Sayajirao-Universität (MSU) in Vadodara (Gujarat), auf dem Universitätsgelände verhaftet, weil er malte, was Hinduextremisten für obszön hielten. Nach vier Tagen im Gefängnis wurde er unter dem Druck der Öffentlichkeit gegen Kaution freigelassen. Aber an der MSU, einer der bekanntesten Hochschulen Indiens, sind Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit noch immer in Gefahr. Chandra Mohan legte sein Kunst-Examen an der Jawaharlal Nehru University ab und erhielt für seine Werke den Lalit Kala National Akademi Award. Als Bestandteil seines Abschlussexamens stellte er seine Graphiken zusammen mit anderen Studenten im Bau der Kunstfakultät der MSU aus. Obwohl die Ausstellung nicht öffentlich war, sondern ausschließlich der internen Beurteilung durch die Kunststudenten dienen sollte, drangen Hindu-Fundamentalisten in die Kunstfakultät ein und verwüsteten die ausgestellten Kunstwerke, die Götter und Göttinnen darstellten. Der Künstler wurde persönlich angegriffen und geschlagen.
Von der Universitätsleitung gerufen, betrat die Polizei den Campus. Sie gebot jedoch nicht den Angreifern Einhalt, sondern nahm das Opfer fest. Chandra Mohan wird unter Bezug auf die Paragraphen 153A, 114, and 295 des Strafgesetzes die „Förderung von Feindseligkeit zwischen verschiedenen Gruppen auf der Grundlage von Religion, Rasse etc.” und die Verübung von Taten vorgeworfen, die den öffentlichen Frieden stören. Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert; er wurde ins Zentral-Gefängnis überführt. Dadurch ermutigt, fordert die BJP, daß alle Studenten der Fakultät suspendiert oder der Universität verwiesen werden. Der den radikalen Hindus nahestehende Vizekanzler suspendierte den Fakultätsleiter, Prof. Shivji Panikker, der Chandra Mohan öffentlich verteidigte und sich weigerte, die umstrittene Ausstellung zu schließen. Studenten und Lehrer der MSU protestieren gegen die Festnahme ihres Kollegen. Die Vereinigung der Universitätslehrer klagte den Vizekanzler an, dem Fundamentalisten-Mob das Betreten des Campus gestattet und den Fakultätsleiter suspendiert zu haben. Sie fordern die Festnahme des VHP-Schägers Neeraj Jain, der – wie Filmaufnahmen belegen - auf Chandra Mohan während dessen Festnahme eingeschlagen hatte. Jain, der später offen mit „Action” gegen die Universität drohte, sollten der Kunststudent und der Fakultätsleiter nicht verwiesen werden, läuft immer noch frei herum. Bisher wurde keine Anzeige gegen ihn erstattet. Die Indian Rationalist Association und das rationalistische Renaissance-Forum Navodhana Vedi verurteilten den Angriff auf den Künstler und verteidigten die Meinungsfreiheit. In einer Versammlung unter Vorsitz von Sanal Edamaruku wurde am 13. Mai in New Delhi eine von dem Dichter Sachdanandan eingebrachte Protestresolution gegen die Verhaftung Chandra Mohans und die skandalösen Vorgänge an der MSU verabschiedet. In Mumbai nahm der bekannte Maler Tyeb Mehta an einer Protestkundgebung vor der Kunstgallerie Jehangir teil. Die Schauspielerin Nandita Das sprach auf einer Protestdemonstration in Delhi. Dies ist nicht das erste Mal, daß Fundamentalisten in Gujarat versuchen, die Freiheit der Kunst zu strangulieren. Der international bekannte Künstler M F Hussein und seine Werke haben mehrere physische und strafrechtliche Angriffe wegen angeblich obszöner Darstellung von Hindugottheiten erlitten. Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern |