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Saudi-Arabien: Todesdrohung gegen Journalisten wegen Twitter-Kommentar

Hamza Kashgari

Der saudi-arabische Zeitungskolumnist Hamza Kashgari (23) ist in großer Gefahr getötet zu werden – mit oder ohne Gerichtsurteil. Sein Leben liegt in den Händen von blutdürstigen saudischen Klerikern.

Kashgari floh aus seinem Heimatland nach Malaysia, nachdem eine hochfrequentierte Facebook-Seite seinen Tod forderte. Als er dann am 12. Februar weiter nach Neuseeland fliegen wollte, nahmen ihn die Malaysischen Behoerden im Flughafen Kuala Lumpur fest und übergaben ihn den Saudis.

Dem jungen Mann wird vorgeworfen, den Propheten auf Twitter beleidigt zu haben. Sein aufsehenerregender Eintrag, getweetet am Geburtstag des Propheten, liest sich so: "Ich habe vieles an Dir geliebt und vieles gehaßt, und es gibt vieles an Dir was ich nicht verstehe. Ich werde nicht für Dich beten." Er löschte den Mohammed-Tweed eilig und entschuldigte sich, als mehr als 30.000 Reaktionen einschlugen, darunter welche von zornigen Klerikern, die ihn einen Ungläubigen und einen Ketzer schimpften. Die Kontroverse breitete sich aus wie ein Lauffeuer und sprang über auf YouTube und Facebook, wo eine Seite auftauchte, die seinen Tod forderte. In Saudi-Arabien werden Ungläubigkeit und Blasphemie als Verbrechen gegen Allah betrachtet, und darauf steht die Todesstrafe. Amnesty International hat Kashgari zum politischen Gefangenen erklärt und seine sofortige Freilassung gefordert.

Obwohl kein formales Auslieferungsabkommen mit Saudi-Arabien besteht, beeilte sich die Regierung von Malaysia – das allgemein als moderates islamisches Land gilt –, Kahsgari zurueck zu senden. Damit besiegelte sie sein Schickal. Die Ausweisung war nicht nur inhuman, sie war auch rechtswidrig. Kashgaris Anwalt hatte rechtzeitig ein Gerichtsurteil erwirkt, das die Deportation seines Klienten aus Malaysia hätte verhindern sollen. Aber die Malayasischen Behoerden hielten den Anwalt gewaltsam davon ab, den Flughafen zu betreten, bevor Kashgari ausgeflogen war.

[12 Februar 2012]

Übersetzung: Ursula-Charlotte Dunckern