Katholische Kirche gegen Sanal EdamarukuDie Schlinge zieht sich in Mumbai zusammen
Mehr als drei Wochen ist es nun her, daß Agenten der katholischen Kirche eine Reihe von Blasphemie-Anzeigen gegen Sanal Edamaruku erstatteten, um sich an ihm dafür zu rächen, daß er ihr „Wunder“ vom wassertropfenden Kruzifix als Job für den Klempner entlarvte. Während die drohende Verhaftung weiterhin über Sanals Kopf schwebt und ihn jederzeit treffen kann, setzt die katholische Kirche die „Hunde des Herrn“*) frei. In einer breit veröffentlichten Erklärung versucht eine fanatische katholische Gruppe Fatwa-Macht zu beschwören und bezeichnet Sanal als Fall für die Irrenanstalt. *) “Die Hunde des Herrn” (lateinisch: Domini canes) ist ein Name, mit dem sich die Dominikaner gerne bezeichneten, nachdem der Vatikan sie im 13. Jahrhundert mit der Durchführung der Inquisition betraute. In einer päpstlichen Bulle gab ihnen ein Papst mit dem liebenswerten Namen „Innozenz“ (Nummero IV) offiziell eine freie Hand zu foltern. Dies ist eine klassiceh Arbeitsteilung. Am 11. April wurden in mindestens drei Polizeirevieren in Mumbai Anzeigen nach Paragraph 295 A des Indischen Strafgesetzes gegen Sanal Edamaruku erstattet: in Juhu, in MIDC und in Andheri. Seltsamerweise erhielt er bis jetzt kein offizielles Dokument über diese Vorgänge. Die Mumbaier Polizei weigert sich beharrlich, Kopien der Anzeigen nach Delhi zu schicken – eine ungewöhnliche Verletzung der Standardprozedur. Sanal erhielt auch keine Vorladung. Bis heute gibt es nichts Offizielles über die Angelegenheit – außer den Telefonanrufen eines Inspektors vom Juhu-Revier, der Sanal drängt zu kommen und sich verhaften zu lassen. Neuerdings ruft er jede Nacht an. Was anmutet wie ein Albtraum a la Franz Kafka, ist eine simple Strategie. Solange die Anschuldigungen gegen Sanal nicht schwarz auf weiß vorliegen, kann er keine Stellungnahme dazu abgeben. So ist der Weg bereitet für seine Verhaftung. Daß es der Polizei tatsächlich nur um seine Verhaftung geht - nicht um irgendine Klarstellung -, hat der Inspektor aus Juhu bereits verraten. Man kann das Einschüchterung nennen, Zermürbungstaktik. Es ist ein abgekartetes Spiel, das darauf abzielt, Sanals Bewegungsfreiheit einzuschränken und seine Arbeit lahmzulegen.. Enorme weltweite ReaktionSanals Verfolgung wegen Bloßstellens eine Möchtegern-Wunders hat weltweit eine enorme Reaktion hervorgerufen. Es wurde in vielen Zeitungen, Fernseh- und Radioprogrammen in Indien und im Ausland darüber berichtet und diskutiert. Der Fall springt in vielen Sprachen durch Tausende von Blogs um die Welt. Leser in den USA, Canada, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien, Polen, Rußland, Brasilien, Japan und sogar Vietnam bringen ihre Solidarität mit Sanals mutiger Position in der umstrittenen Fernsehdiskussion Ausdruck, die auf die Entlarvung des tropfendes Kruzifixes folgte. Im Lichte dieser großen öffentlichen Aufmerksamkeit mögen seine Widersacher es ratsam gefunden haben, das Tempo ihres Vorgehens vorüberghend ein wenig zu drosseln. Doch jetzt kommen die Dinge in Schwung. Die katholische Kirche orchestriert die Begleitmusik für den Countdown. Es ist das ziemlich häßliche Geräusch der „Hundes des Herrn“, die sich heiserbellen. Mit einer großen Schmierkampagne versucht eine fanatische katholische Gruppe, Haß gegen Sanal zu schüren, indem sie seine Argumente in der TV-9-Sendung als „anti-katholisches Gehässigkeit“ brandmarkt. Sie versuchen die Macht der Fatwa zu beschwören: zündeln mit der Vorstellung, wie wohl fanatische Islamisten mit einem solchen Gotteslästerer umgehen würden, um dann dem Mob die Entscheidung zu überlassen, ob Sanal „erlaubt werden sollte, ungeschoren davonzukommen“. Schließlich schlagen sie vor, daß man „eine solche Person nicht ins Gefängnis bringen müsse, sondern eher in eine Irrenanstalt...“ Sanals Anwälte bereiten derzeit die Verteidigung seines Rechtes vor, Vernunft und Wissenschafts-Orientiertheit zu fördern und trügerische Behauptungen über “Wunder” jeglicher Herkunft – einschließlich der katholischen – zu widerlegen. Währenddessen hat Sanal klargestellt, daß er als rechtsliebender Bürger bereit ist, sich mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen vor jedem Gericht oder Untersuchungsbeamten auseinanderzusetzen – vorausgesetzt, er erhalte eine ordentliche Vorladung. Auf der anderen Seite weigerte er sich aber entschieden, der Forderung des Bischofs zu entsprechen und sich zu entschuldigen bzw. seine in der TV-9-Debatte gemachten Aussagen zu widerrufen. Stattdessen schlug er vor, daß sich die Führung der Kirche von Velankanni in Mumbai öffentlich dafür entschuldigen sollte, daß sie schmutziges Abflußwasser, das vom Kreuz tropfte, an Hunderte von Gläubigen ausgeteilt hat. Ein natürliches Phänomen als „Wunder“ anzupreisen, um Gläubige anzuziehen und sie dazu einzuladen, ungeprüftes Wasser wegen seiner angeblichen Heilkräfte zu trinken, ist unverantwortlich – und sollte auch strafbar sein. Unaufhaltsam und voll in Schwung:
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